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Der Wolf steht vor Zürich

Der Wolf breitet sich aus. Beim Bund rechnet man damit, dass in der Schweiz bereits 10 bis 15 Tiere leben. Auf ihren Wanderschaften können sie auch in die Nähe der grossen Städte kommen.

Auf dem Weg nach Norden: Ein Wolf bei Quinto in der Leventina im März 2008.
Auf dem Weg nach Norden: Ein Wolf bei Quinto in der Leventina im März 2008.
Keystone

Ende Oktober hat erneut ein Wolf zugeschlagen: In Rüschegg im Kanton Bern riss er drei Schafe und verletzte zwei Lämmer. Die genetische Analyse zeigte, dass das Raubtier aus den italienisch-französischen Alpen eingewandert war. Zwei Wochen zuvor tötete ein Wolf im Kanton Obwalden neun Schafe. Die DNA-Analyse bewies auch hier: Das Tier stammt aus Italien.

Genügend Beute für Wölfe

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Schweiz wieder zum Wolfsland wurde. Italien stellte die Tiere 1976 unter Schutz, worauf sich diese vermehrten und auf der Suche nach neuen Revieren nordwärts wanderten. Zurzeit leben nachweislich acht Wölfe in der Schweiz. Der Bund geht jedoch davon aus, dass es 10 bis 15 Tiere sind.

Künftig werden es wohl noch mehr werden, denn in der Schweiz wächst die Waldfläche; zudem finden die Wölfe genügend Wildtiere als Beute. Die Rückkehr des Wolfes ist jedoch nicht unproblematisch, die Schweiz ist in den Voralpen und dem Mittelland dicht besiedelt. Thomas Briner vom Bundesamt für Umwelt bestätigt auf Anfrage von Redaktion Tamedia: «Junge männliche Wölfe legen auf der Suche nach einem Revier grosse Distanzen zurück. Dabei ist nicht auszuschliessen, dass sie an grösseren Städten vorbeikommen.» Der Zoologe betont, dass die Tiere anpassungsfähig sind und auch Autobahnen überqueren können. «Theoretisch kann der Wolf an praktisch jeder Stadt vorbeiziehen», so Briner.

Wolf wanderte quer durch Schweiz

Erst kürzlich wanderte ein Wolf von Italien durch die ganze Schweiz nach Bayern. Dass sich jedoch Wolfsrudel bilden, die sich in der Nähe von Städten niederlassen, hält Briner für unwahrscheinlich. Im Rudel bleiben Wölfe in ihrem Revier und gehen nicht mehr auf Wanderschaft. Für den Menschen geht laut Briner keine Gefahr vom Wolf aus: «In Mitteleuropa ist es bisher nur ganz selten vorgekommen, dass Wölfe einen Menschen angriffen. Diese waren fast ausschliesslich tollwütig.» In der Schweiz ist die Tollwut jedoch ausgerottet.

Weit mehr gefährdet sind Nutztiere wie Schafe und Ziegen, die unbewacht weiden. Darum werden Herden schon heute von Hirtenhunden bewacht, oder sie weiden auf umzäunten Wiesen. Sollte ein Wolf dennoch Schafe reissen, kann er abgeschossen werden, nämlich wenn er mindestens 25 Nutztiere in einem Monat oder 35 in vier aufeinanderfolgenden Monaten reisst.

Wölfe bei Thun

Dass der Wolf auch vor Städten nicht halt macht, zeigten in den letzten zwei Jahren zwei Angriffe bei Thun. In unmittelbarer Nähe der Thuner Stadtgrenze – bei Thierachern und Pohlern – rissen Wölfe insgesamt 14 Schafe. Bis nach Bern hat der Wolf also nicht mehr weit. «Wir waren selber überrascht, dass sich ein Wolf so nahe an eine Stadt wagt», sagt Peter Juesy. Laut dem Berner Jagdinspektor treibt der Hunger die Tiere im Winter zu den Siedlungen, denn Schafe sind eine willkommenes Nahrungsangebot. Trotz der wachsenden Zahl Wölfe ist man in Bern gewappnet: Die Berner entwarfen als Erste in der Schweiz eine Strategie, wie mit dem Wolf umgegangen werden soll. Ziel ist es, Konflikte zwischen der Landwirtschaft und der Bevölkerung mit dem Wolf zu minimieren – zum Beispiel indem eine «Wolfsfeuerwehr» Schafsbesitzern hilft.

Auch in Zürich schaut man der Rückkehr des Wolfes gelassen entgegen. «Vom Wolf wird man in Zürich nichts merken», sagt Christian Stauffer von Grün Zürich. Allenfalls könnten Schafe oder andere Nutztiere gerissen werden. Doch dass sich ein Wolf in die Stadt verirrt, glaubt er nicht. «Dafür ist er zu menschenscheu.»

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