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«Die freie Wahl nützt nicht allen»

Private Schulen unterstützen, ohne gleich das ganze System umzukrempeln. Dies ist die Devise des Berner Erziehungsdirektors.

Bernhard Pulver, Erziehungsdirektor des Kantons Bern, nennt ein Beispiel: «Das Kind leidet in der Schule, die Eltern orten die Hauptschuld bei der Schule, für sie kommt nur ein Schulwechsel oder eine Privatschule in Frage. Die Fronten verhärten sich, eine Einigung ist nicht möglich.» Zum Glück begegne er solchen Situationen nur selten, sagte Pulver an der gestrigen Medienkonferenz der Grünen Schweiz. Doch so gesehen sei die Forderung nach der freien Schulwahl verständlich. Die Frage sei aber, ob man wegen Einzelfällen das gesamte System umstellen müsse. Weil im Kanton Bern noch keine Initiative zur freien Schulwahl lanciert wurde, hat der Berner Regierungsrat dazu bisher auch nicht Stellung bezogen. Vor den Medien äusserte Pulver aber einige grundsätzliche Bedenken zur Initiative. Zudem hat der Grosse Rat des Kantons Bern abgelehnt zu prüfen, wie sich die freie Schulwahl innerhalb der staatlichen Schule auswirken würde. Unterstützen statt belastenDie staatliche Volksschule sei eine urdemokratische Einrichtung, sagte Pulver. «Sie ermöglicht, dass Kinder lernen, sich unter den verschiedenartigsten Menschen zu bewegen.» Wenn nun plötzlich der Markt voll eingreife, könnten nicht alle gleichermassen davon profitieren. «Freie Schulwahl setzt eine hohe Mobilität voraus, sie fördert die soziale Segregation der Gesellschaft, und Angebote von privaten oder anderen kommunalen Schulen bleiben aus Platzgründen beschränkt», so Pulver. Statt für eine freie Schulwahl plädiere er für eine stärkere Unterstützung der staatlichen Schule. «Die freie Schulwahl würde das System Volksschule mit einer neuen, unausgereiften Reform zusätzlich belasten.» Keine Angst vor KonkurrenzPrivatschulen seien für staatliche Schulen bereits heute eine willkommene Konkurrenz, so Pulver. «Neues, Anderes soll Platz haben, denn davon profitiert auch die Volksschule.» Der Kanton Bern unterstütze Privatschulen finanziell, wenn diese eine nachhaltige Nachfrage dokumentieren. Einzelne Privatschulen würden schon seit vielen Jahren 2000 Franken pro Kind und Jahr erhalten, was etwa 20 Prozent der Schulkosten umfasse. Mit diesem Vorgehen habe man gute Erfahrungen gemacht. Ab nächstem Jahr würden deshalb noch mehr Schulen diese Unterstützung erhalten.

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