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«Mit abgehangener Ware macht man keine Furore»

Ein neuer deutscher TV-Sender in der Schweiz – von ProsiebenSat 1. Was bringt das? Brauchts den? Dazu Roger Schawinski.

Findet, dass der geplante TV-Sender keinen Mehrwert bringt: Roger Schawinski.
Findet, dass der geplante TV-Sender keinen Mehrwert bringt: Roger Schawinski.
Ennio Leanza, Keystone

Herr Schawinski, ProsiebenSat 1 stösst in die Schweiz vor. Wird der neue Sender einschlagen?

Einschlagen? Das einzige Schweizerische am Sender wird wahrscheinlich sein, dass er quasi zu Nullkosten Schweizer Werbung akquiriert. Und vielleicht erhält er bei der Cablecom sogar als sogenannter Schweizer Sender, gleich wie die anderen Schweizer Minisender, einen vorderen Platz im Programm und kann so beim Durchzappen Klicks generieren, die dann als Marktanteil ausgewiesen werden.

ProsiebenSat 1 rechnet mit einem Marktanteil im unteren einstelligen Bereich und will mit dem Sender längerfristig zu den Grossen der Kleinen gehören. Sind das realistische Zielsetzungen?

Träumen darf man immer. Wenn sie auf ein Prozent kommen, wäre das schon toll. Bei 3+ sieht man, dass man sich nur durch teure, nicht refinanzierbare Eigenproduktionen profilieren kann und damit auf einen höheren Marktanteil gelangt. Aber allein mit abgehangener Ware macht man keine Furore.

Sie sprechen das geplante Programm an: internationale Serien, Hollywood-Blockbuster und Filmklassiker. Ist das zeitgemäss?

Es ist einfach eine Abspielmöglichkeit mehr. Das gibt es schon zur Genüge in der Schweiz, auch bei mehreren Sendern der Prosieben-Gruppe. Die nudeln immer dieselben Serien und Filme ab. Wobei zu bemerken ist, dass Prosieben ein grosses und attraktives Inventar von bereits abgeschriebenen Produkten hat. Das heisst, dass die Programmkosten kaum ins Gewicht fallen werden. Dadurch ist das Risiko minimal, aber auch die Gewinnmöglichkeiten. Aber man nimmt eben mit, was man kann.

Das Programm richtet sich an 20- bis 49-Jährige. Wie vielversprechend ist diese Zielgruppe?

Das ist die alte werberelevante Zielgruppe. Heute schaut man mehr auf die Gruppe bis 59. Es ist nicht ganz einfach, sich bei den Jungen mit Archivware zu profilieren. Dies beweisen die Zahlen, die wir aus Deutschland kennen.

Wie würden Sie selbst denn einen neuen Sender konzipieren?

Für mich liegt die Zukunft des Schweizer Privatsenders hinter uns. Ein Sender, der ein wirklich ambitioniertes Programm für die Schweiz auch mit Information und Fiktion macht, kann ich mir nicht mehr vorstellen. In diesem gesetzlichen und werblichen Umfeld wäre dies schlicht nicht möglich – und das bedaure ich sehr. Die SRG bräuchte dringend eine ernsthafte heimische Konkurrenz.

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