Die Klimajugend ändert ihre Strategie

Bis jetzt stand der parteiunabhängige Protest im Fokus. Nun holt die Bewegung neue Akteure ins Boot – und ruft zum Streik auf.

Die Klimademonstration in Bern am 6. April 2019. Foto: Susanne Kübler

Die Klimademonstration in Bern am 6. April 2019. Foto: Susanne Kübler

Janine Hosp

Die jungen Aktivistinnen und -aktivisten wollen am Freitag, 15. Mai 2020, so viele Personen wie möglich dazu bringen, für den Klimaschutz auf die Strasse zu gehen. «Strike for Future» soll nicht nur eine Schülerdemo sein, sondern ein nationaler Grossanlass wie der Frauenstreik; an diesem nahmen am 14. Juni in der Schweiz über eine halbe Million Frauen und Männer teil.

«Noch lange nicht alle Menschen haben das Ausmass der Klimakrise erfasst. Wir alle hier sind uns einig, dass uns die Zeit davonrennt», sagen die Jugendlichen und ihre Unterstützer, die am Dienstagmorgen dicht gedrängt an einem langen Tisch vor den Medien sitzen. Deshalb brauche es eine breitere Unterstützung als bis anhin.

«Klimakrise ist mit sozialen Fragen verknüpft»

So haben die Aktivisten bereits eine entsprechende Anfrage beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) deponiert. Mit dessen Hilfe wollen die Schüler und Studenten die Erwerbstätigen erreichen. «Die Klimakrise ist unzertrennlich mit sozialen Fragen verknüpft», begründete eine Aktivistin die Anfrage an die Gewerkschaft. Die Lösung der Krise dürfe nicht zulasten derjenigen gehen, die wenig haben – es gehe um Klimagerechtigkeit.

Daniel Lampart, Chefökonom des Gewerkschaftsbundes, bestätigt den Eingang der Anfrage. Ob der SGB sie aber gutheissen werde, stehe noch nicht fest – sie müsse in den verschiedenen Ausschüssen noch sorgfältig diskutiert werden.

An den Arbeitgeberverband hingegen sind die Aktivisten nicht gelangt – auch wenn dessen Mitglieder von einem Streik unmittelbar betroffen wären. Die Jugendlichen möchten, dass die Gewerkschaften direkt in die Betriebe gehen und dort die Ansprechpartner für die Angestellten sind.

Solidarität, Gleichstellung, Lohnabbau, Rente, Arbeitskampf, Kurdistan und Femizid: All dies findet nicht mehr unter dem Begriff Klima Platz.

Die Klimaaktivisten konnten ihre Basis bereits verbreitern. An der Medienkonferenz sprachen Vertreterinnen von «Eltern fürs Klima» und von «Grosseltern fürs Klima», von «Landwirtschaft mit Zukunft» und vom Frauenstreik. Auch eine Vertreterin von «Workers for Future» sass mit am Tisch – einer Bewegung, die aus dem Jugendstreik hervorging und am vergangenen Sonntag ihre erste nationale Versammlung abgehalten hat. Beim Sprechen stoppen die Referentinnen jeweils kurz vor allen Endungen auf «- innen»; so wollten sie deutlich machen, dass Männer mitgemeint sind.

Bereits in den Referaten zeichnet sich ab, dass die Hinzugekommenen an der Grossdemo ihre eigenen Forderungen einbringen wollen – es fallen Schlagworte wie Solidarität, Gleichstellung, Lohnabbau, Rente, Arbeitskampf, Kurdistan und Femizid. All dies findet nicht mehr unter dem Begriff Klima Platz. So sagen die Aktivistinnen auch, sie wollten sich fortan gegen die Ausbeutung von Erde und von Mensch wehren.

Welche Forderungen sie am 15. Mai konkret stellen, dazu äusserten sie sich aber nicht: «Unsere Aufgabe ist es, Druck aufzubauen. Wie unsere Ziele erreicht werden können, ist Aufgabe der Politikerinnen», sagten sie. Ihr erklärtes Ziel ist es, den CO2 nächstes Jahr um 13 Prozent zu senken und bis 2030 auf «netto null». Das heisst, dass zum Beispiel auch die Wirkung von Klimaschutzprojekten berücksichtigt wird.

So wird «Strike for Future» nicht mehr nur eine Klimademo sein, sondern eine Bewegung, die insbesondere linke Forderungen vertritt. Der Aktivist Tiziano de Luca sagt dazu, die Reichen hätten Geld dafür, etwas zu ändern. Jene die kein Geld hätten, hätten das Mittel des Streiks. Damit könnten sie Druck aufzubauen.

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