Die Wahl Laubers muss verschoben werden

Erst müssen die Fragen um die mysteriösen Treffen des Bundesanwalts geklärt werden.

«Das ist einfach nur absurd»: Michael Lauber an der Pressekonferenz in Bern. Video: Keystone
Thomas Knellwolf@KneWolf

Michael Lauber ist vor den Medien zum Gegenangriff übergegangen. Er hält nicht nur an seiner Kandidatur für eine dritte Amtszeit als Bundesanwalt fest. Der höchste Strafverfolger des Bundes wehrt sich auch gegen Lügenvorwürfe an seine Adresse und «bewusst geförderte Verschwörungstheorien». Und er schiesst scharf gegen die eigene Aufsichtsbehörde, die nun eine Disziplinaruntersuchung gegen ihn eingeleitet hat.

Der öffentliche Konter ist das gute Recht des Angeschossenen. Aber ob er sich und seiner Behörde damit einen Dienst erweist, ist eine andere Frage. Lauber verkennt die Aufgabe der Aufseher. Er kritisiert, dass der Präsident der Aufsichtsbehörde ihm nicht glaube, dass er die Wahrheit sage. Das enttäusche ihn, sagte der Bundesanwalt gestern. Doch er übersieht: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und deshalb gehört es zur Pflicht der Aufsichtsbehörde, kritische Fragen zu stellen. Wenn nötig auch mittels einer Untersuchung.

Ein Freundeskreis des Bundesanwalts

Wer eine mächtige und weitgehend unabhängige Behörde wie die Bundesanwaltschaft kontrolliert, kann es nicht durchgehen lassen, dass sich mindestens vier gestandene Männer in gut bezahlten und wichtigen Funktionen partout nicht an eine Zusammenkunft vor weniger als zwei Jahren erinnern können. Dies scheint aber beim ominösen dritten Treffen Laubers mit Fifa-Chef Infantino der Fall. Die Frage, weshalb dem so ist, ist mittlerweile von breitem öffentlichem Interesse. Von ihrer Beantwortung hängt mit ab, wie sehr die Schweizer Bevölkerung ihrer Strafjustiz vertraut.

Würde eine Aufsicht in einer solchen Situation nicht genauer hinschauen, wäre sie keine Aufsicht, sondern ein Freundeskreis des Bundesanwalts. Mutmassliche Amtspflichtverletzungen muss sie akribisch untersuchen.

In der jetzigen Situation ist Lauber nicht wählbar. Nur schon aus Fairnessgründen gegenüber dem Bundesanwalt muss die Wahl verschoben werden. Denn dies ist das kleinere Übel als seine Wahl oder Abwahl, während die Fragen um seine mysteriösen Treffen nicht geklärt sind.

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