«Die Welt ist 2017 nicht sicherer geworden»

Armeechef Philippe Rebord sprach in Bern über Terror in Europa – und über seine Sorge über zu viele Zivildienstleistende.

Armeechef Philippe Rebord sieht in gesellschaftlichen Werten ein Mittel gegen den Terrorismus.

Armeechef Philippe Rebord sieht in gesellschaftlichen Werten ein Mittel gegen den Terrorismus. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bei seinem Auftritt vor der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Bern im Kursaal malte Armeechef Philippe Rebord am Donnerstagabend ein düsteres Bild von der Sicherheitslage in Europa. «Die Welt ist 2017 nicht sicherer geworden», sagte er, «der Anschlag im August in Barcelona war das erste Beispiel eines gelungenen Terrorakts durch eine organisierte Gruppe.» Das primäre Ziel hätten die Attentäter zwar nicht erreicht. «Aber irgendwann wird es ihnen gelingen.»

Der Kampf gegen diese Art von jihadistischen Terrorismus sei ein Krieg gegen die Barbarei. «Diesen Krieg können wir nur mit unseren Werten gewinnen. Und wir Schweizerinnen und Schweizer verfügen über starke Werte.» Das Bekämpfen des Terrorismus sei in erster Linie Aufgabe der Polizei. «Doch die Armee steht bereit, die zivilen Behörden zu unterstützen, wenn es nötig wird.»

Zu viele landen im Zivildienst

Damit die Armee ihren Auftrag erfüllen könne, brauche es 18'000 Rekruten pro Jahr, welche die Rekrutenschule beenden, rechnete Rebord vor. Angesichts der hohen Zahl Untauglicher und der gestiegenen Attraktivität des Zivildienstes sei dieses Ziel immer schwerer zu erreichen.

Die Zahl der neu Zivildienstleistenden stieg von 1632 im Jahr 2008 auf 6169 im letzten Jahr. 2017 werden es wohl gegen 7000 sein. Der Zivildienst boomt. Der Armeechef erwartet, dass die Zahl der Zivildienstleistenden noch weiter steigen wird. Das sei gefährlich. «Zivildienst ist kein Ersatzdienst für die Sicherheit.»

Auffallend sei, dass über 50 Prozent der Zivildienstgesuche von Maturanden, Studenten, Elektronikern oder Informatikern stammten. Man könnte sich deshalb auch fragen: Flüchten die Eliten vor der Armee? Verschiedene Massnahmen sollen helfen, die Flucht in den Zivildienst einzudämmen. So soll eine sogenannt differenzierte Tauglichkeit eingeführt werden.

Und Rebord macht keinen Hehl aus der Tatsache, dass er es gerne sehen würde, wenn der Zivildienst unattraktiver gemacht werden würde. «Doch in diesem Bereich sind wir schnell bei politischen Fragen», erklärte Rebord. «Als Armeechef bin ich eingesetzt, um umzusetzen. Und nicht, um Politik zu machen.»

Der Wert der Weiterbildung

Rebord äusserte sich in Bern auch zur Weiterentwicklung der Armee (WEA). Anfang 2018 beginnt die mehrjährige Überführungsphase, welche Ende 2022 abgeschlossen sein wird. Es sei eine seiner wichtigsten Aufgaben, den Armeeangehörigen, den Familien und der Wirtschaft die WEA zu erklären.

Rebord strich insbesondere den Mehrwert der militärischen Führungsausbildung hervor. Die Attraktivität des Weitermachens soll grösser, angehende Kader endlich angemessen entschädigt werden. Nach neusten Plänen sollen Unteroffiziere und Subalternoffiziere künftig rund 4300 Franken monatlich ausbezahlt erhalten, angehende Kompaniekommandanten gut 6000 Franken.

Zusätzlich soll während Ausbildungsdienst und Abverdienen ein virtuelles Ausbildungskonto gespeist werden. Je nach Funktion sollen so tiefe fünfstellige Beträge zusammenkommen, welche für zivile Weiterbildungen verwendet werden können. Hilfreich sei auch, so Rebord, dass immer mehr Hochschulen die militärischen Ausbildungen an ihre Studien anrechnen lassen würden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.10.2017, 09:16 Uhr

Artikel zum Thema

Terror: Kantone und Staatsanwälte wollen härter durchgreifen

Der Bundesrat will schärfere Waffen zur Terrorbekämpfung. Wer zum Beispiel für den IS ein Internetforum betreibt, soll bis zu 10 Jahre ins Gefängnis. Den Kantonen und Strafverfolgern ist das zu mild. Mehr...

Nause muss noch länger auf Bodycams warten

Die bernische Polizeigewerkschaft will die Sicherheit von Polizistinnen und Polizisten erhöhen. Sie denkt dabei an den testweisen Einsatz von Körperkameras. Die Kantonspolizei Bern hält wenig von der Idee. Mehr...

Wie der Bund Terror abwehrt

Der Nachrichtendienst und die Bundespolizei wollen den Kampf gegen den Terror verstärken. Am Dienstag erklärten die Behörden, wie sie Verdächtige besser überwachen und Radikalisierung ­verhindern wollen. Mehr...

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Wagemutig: Der 95-jährige Kriegsveteran Thomas Norwood landet nach einem Tandemsprung in Suffolk, Virginia, USA (15. Oktober 2017).
(Bild: Vicki Cronis-Nohe) Mehr...