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Dignitas-Gründer fordert Sterbehilfe für Angehörige

Ludwig A. Minelli will, dass bei schweren Fällen von Demenz beide Partner aus dem Leben scheiden dürfen. Justiz und Experten sind skeptisch.

Umstrittenes Medikament: Das tödlich wirkende Pentobarbital.
Umstrittenes Medikament: Das tödlich wirkende Pentobarbital.
Keystone

Ludwig A. Minelli, der Gründer der Sterbehilfe-Organisation Dignitas, reagiert auf den Todesfall von Rupperswil AG. Ein 64-jähriger Mann hatte vergangene Woche seine 73-jährige, schwer demenzkranke Ehefrau erdrosselt. Minelli fordert deshalb, dass bei schweren Demenzerkrankungen beide Partner aus dem Leben scheiden dürfen. «Der Gesetzgeber ist gefordert, Demenzkranken und ihren Angehörigen mehr Möglichkeiten zu geben», sagt er gegenüber der Zeitung «Der Sonntag».

In solchen Fällen soll es laut Minelli erlaubt sein, dem Partner ein Rezept auszustellen, «ohne dass dieser schwer krank ist». Für Ärzte müsse endlich Rechtssicherheit geschaffen werden. Die Notwendigkeit dafür ergibt sich für den Dignitas-Gründer aus dem Konflikt, «dass oft beide Partner ähnlich alt sind und der eine ohne den anderen nicht alleine zurückbleiben will». So sei meistens auch «gar kein Umfeld mehr vorhanden».

Bald 300'000 Demenzkranke

Die heutige Gesetzgebung ist klar: Ärzte dürfen weder den Demenzkranken noch dem gesunden Partner ein Rezept für das tödlich wirkende Medikament Pentobarbital ausstellen. Echte Hlfe beginnt für den 78-jährigen Rechtsanwalt dort, «wo angstfrei über solche Ideen gesprochen werden kann».

Minelli geht davon aus, dass Dramen wie jenes von Rupperswil zunehmen werden. «Letztlich ist es eine Verzweiflungstat», sagt er. Rund 110'000 Schweizer leben heute mit einer Demenz. Bis 2050 wird aus demografischen Gründen von über 300'000 ausgegangen.

Die Justiz winkt ab

Der Zürcher Oberstaatsanwalt Andreas Brunner lehnt den Vorschlag Minellis in der Zeitung ab: «Aus meiner Sicht ist keine Änderung anzustreben.» Er glaubt auch nicht, dass solche Tötungen signifikant zunehmen werden.

Auch Brigitta Martensson, Geschäftsleiterin der Schweizerischen Alzheimer-Vereinigung, ist bei der Frage nach Sterbehilfe für Angehörige von Demenzkranken skeptisch. Sie könne den Wunsch zwar verstehen. «Aber das ist eine ganz schwierige und wahrscheinlich nicht akzeptable Frage.» Es sei aber richtig, dass die Debatte geführt werde.

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