Drohne schlug knapp neben Kindern ein – die Post reagiert

Die Postdrohne, die im Mai in ein Zürcher Waldstück stürzte, gefährdete spielende Kindergartenkinder. Die Post hält am Service fest, hat aber die Drohnen verbessert.

Die Drohne wurde komplett zerstört. Foto: Sust

Die Drohne wurde komplett zerstört. Foto: Sust

Pascal Unternährer@tagesanzeiger

«Durch den Absturz waren Drittpersonen am Boden gefährdet»: Der Befund der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) ist alarmierend. Am 9. Mai um 10.38 Uhr stürzte eine Drohne der Post in einem Waldstück im Zürcher Kreis 6 ab.

Der Quadrokopter war auf dem Rückflug von der Uni Irchel zum Universitätsspital. Auf dem Hinflug hatte er Blutproben transportiert, auf dem Rückflug hatte er keine Beladung. Die Post war Auftraggeberin und Serviceanbieterin und kaufte die Dienstleistung bei der Firma Matternet ein. Verletzt wurde niemand.

Absturzstelle der Drohne (rot) im Waldstück «Ob der Hueb» unweit von spielenden Kindern im Wald (blau). Der Fallschirm (orange) wurde rund 330 Meter nordöstlich in den Bäumen geborgen. Quelle der Karte: Bundesamt für Landestopografie.

Nun wird aber aus einem Zwischenbericht klar, dass gleichzeitig in 50 Metern Entfernung Kinder am Spielen waren. Aber weder sie noch die beiden Kindergartenlehrpersonen haben ein Warnsignal des Notfallschirms gehört. Erst nach dem Crash war ein akustisches Signal an der Absturzstelle hörbar. Damit hat das Warnsignal seinen Zweck, Drittpersonen am Boden zu warnen, nicht erfüllt, stellt die Sust fest.

«Ungebremst in der Nähe von spielenden Kindern»

Die Drohne hatte rund zwei Minuten nach dem Start bei der Universität Zürich-Irchel automatisch das Abbruchsystem ausgelöst und eine Notlandung eingeleitet. «Nach dem Ausstossen des Fallschirms riss die Verbindungsleine, und die Drohne schlug ungebremst in der Nähe von spielenden Kindern auf den Waldboden auf und wurde zerstört», heisst es im Bericht.

Das gerissene Seil zwischen der Drohne und dem Fallschirm. Foto: Sust

Weil sich dringlich Präventionsmassnahmen aufdrängen, hat die Sust zwei Sicherheitsempfehlungen zuhanden des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl) ausgesprochen:

1. Es sollte sicherstellen, dass die Befestigung des Notfallschirms an der Drohne den möglichen Belastungen standhält.

2. Es sollte sicherstellen, dass das akustische Warnsignal beim Einleiten einer Notlandung von Drittpersonen am Boden wahrgenommen werden kann.

Der Fallschirm blieb in den Bäumen hängen. Foto: Sust

Zweiter Absturz in Zürich

Der Crash im Irchel-Wald war in diesem Jahr nicht der erste in Zürich gewesen. Am 25. Januar war eine Postdrohne in den Zürichsee gestürzt. Sie war mit Blutproben zwischen der Klinik Im Park am linken und dem Zentrallabor am rechten Seeufer unterwegs. Aufgrund eines technischen Defekts leitete sie eine – in diesem Fall kontrollierte – Notlandung ein. Taucher fanden die Drohne im März.

Die Post hatte nach dem zweiten Unfall alle ihre Drohnenflüge eingestellt. Inzwischen hat sie auch auf die Empfehlungen der Sust reagiert, wie sie heute Freitag mitgeteilt hat.

Post: «Nicht akzeptabel»

Zum einen hat sie einen Expertenrat einberufen. Dieser soll sämtliche Prozesse, die das Sicherheits- und Risikomanagement betreffen, durchleuchten. Ziel sei es, dieses an die üblichen Standards der Aviatik anzugleichen. Dass die Sicherheitsmechanismen bei den beiden in Zürich abgestürzten Drohnen nicht funktioniert haben, sei «nicht akzeptabel», schreibt die Post.

Als Sofortmassnahme werden die Seile des Fallschirms neu mit einem Metallgeflecht verstärkt. Der Fallschirm wird künftig mit zwei statt nur einem Seil an der Drohne befestigt. Zudem wird der schrille Pfeifton, der bei einer Sicherheitslandung der Drohne die Personen in der Nähe warnt, lauter eingestellt.

Allen Schwierigkeiten zum Trotz betonte die Post in ihrer Mitteilung, sie halte an der Drohnenlogistik fest. Man sei überzeugt, dass Drohnen einen wichtigen Beitrag an ein effizientes Gesundheitswesen leisten können.

(Mit Material von Keystone-SDA)

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt