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EDU-Nationalrat Christian Waber tritt zurück

Der Berner Christian Waber tritt per Ende der Sommersession als Nationalrat zurück. Obwohl er zuletzt fraktionslos war, zieht er eine positive Bilanz. Und er stellt klar: «Ich bleibe der Politik und der Partei erhalten.»

Schluss nach 12 Jahren: EDU-Nationalrat Christian Waber.
Schluss nach 12 Jahren: EDU-Nationalrat Christian Waber.
Susanne Keller

Per Ende der Sommersession geben Sie das Nationalratsamt nach zwölf Jahren ab. Zuletzt waren Sie ein fraktionsloser Einzelkämpfer. Sind Sie müde? Christian Waber: Nein. Ich trete zurück, weil ich jetzt 61 Jahre alt bin und nicht als Nationalrat pensioniert werden möchte. Zudem muss auch in einer kleinen Partei die Nachfolgeregelung geplant werden. Mein Nachfolger Andreas Brönnimann soll Zeit haben, sich einzuarbeiten. Und ich habe gleichzeitig beruflich noch einiges vor.

Was steht konkret an? Ich habe eben eine neue Stelle angetreten. Ich berate im Baunebengewerbe Investoren in den Bereichen Erdbebensicherheit und Schallschutz. Wegen meiner finanziellen Situation werde ich die nächsten Jahre noch Geld verdienen dürfen. Es geht über das Pensionsalter hinaus, aber ich habe noch die Kraft dazu.

Sie waren in Ihrer Nationalratskarriere zwei Mal ohne Anschluss an eine Fraktion. Zu Beginn zwei Jahre und am Schluss wieder fast zwei Jahre. Was war schwieriger? Zu Beginn war es klar schwieriger. Damals hatte ich kein Beziehungsnetz, wenig Orientierung und musste immer wieder den Platz wechseln. In der Zwischenzeit habe ich einen tiefen Einblick in die Bundespolitik gewonnen. So war es zuletzt einfacher. Es war ja mein Entscheid, im Dezember 2007 die SVP-Fraktion zu verlassen, weil ich den Kurs dieser Fraktion nicht mittragen konnte. Mein Vorgehen wurde im Parlament als glaubwürdig aufgenommen.

Was raten Sie Ihrem Nachfolger? Ich kann ihm nur raten, sich selber zu bleiben und ja nicht den Christian Waber zu kopieren.

Wobei Christian Waber durchaus auch national für Furore sorgen und seine Partei und ihre Positionen bekannt machen konnte... Damit muss nicht Schluss sein. Ich bleibe der EDU als Geschäftsführer in einem 40-Prozent-Pensum erhalten. Ich liebe die Politik nach wie vor sehr. Ich werde noch für die eine oder andere Überraschung sorgen.

Obwohl Ihre christlich-konservativen Überzeugungen und Werte einen schweren Stand haben? Es ist schon so, dass es viel schwieriger geworden ist und noch schwieriger wird, unsere Werte direkt in die Politik einzubringen. Sie kommen heute regelrecht unter die Räder. Unsere Kernthemen Drogen, Homosexualität, Abtreibungen, Recht auf Leben werden rege diskutiert. Aber unsere sogenannt konservativen Ansichten werden angezweifelt.

Wenn Sie eine persönliche Bilanz ziehen – wie bewerten Sie Ihre Leistung als Nationalrat? Ich ziehe eine sehr positive Bilanz. Gerade in den Details konnte ich wirken und mich einbringen. Ich war in den Dossiers und in den Kommissionen sicher und wurde schliesslich mit dem Präsidium der Swisscom-Kommission belohnt. Das war nicht selbstverständlich.

Was konnten Sie konkret im Detail bewirken? Ein Beispiel betrifft das Bundesverwaltungsgericht. Hier wird der freiwillige Proporz mit 20 Prozent Parteilosen berücksichtigt. Das heisst, wer am höchsten Gericht wirken will, muss sich künftig nicht mehr zu einer Partei bekennen. Solche Erfolge werden in der Presse nicht ausgebreitet. Aber mich hat das mit grosser Zufriedenheit erfüllt.

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