Ein wachsendes Problem: Sozialhilfe ab 50

Immer mehr über 50-Jährige beziehen Sozialhilfe. Wer dagegen etwas tun will, muss beim Arbeitsmarkt beginnen.

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Christian Zürcher@suertscher

Es ist bloss eine Zahl: 54'615. Aber hinter ihr verstecken sich 54'615 unangenehme Geschichten. So viele Menschen sind in der Schweiz zwischen 50 und 65 Jahre alt und bezogen im Jahr 2017 Sozialhilfe. Die Zahl ist seit 2011 überproportional um 40  Prozent gestiegen, schreibt das Bundesamt für Statistik.

Diese problematische Zunahme hat ihre Gründe. Mit der Digitalisierung und Automatisierung sterben Berufe aus. Firmen brechen zudem immer mehr das Tabu und entlassen ältere Menschen. Viele von ihnen machten eine Lehre, bildeten sich jahrzehntelang nie weiter – und sind für Firmen auch teurer. Die Pensionskassen­beiträge auf den Lohn sind bei älteren Menschen höher. Die Folge: Sie bleiben im Schnitt doppelt so lange ohne Arbeit wie Menschen unter 50.

Wer lange keine Arbeit findet, wird ausgesteuert. Wessen Vermögen auf 4000 Franken sinkt, darf Sozialhilfe beziehen. Wer das Problem lösen will, muss daher beim Arbeitsmarkt beginnen. Es gibt Lösungsansätze, doch die sind politisch blockiert. Die Gewerkschafter wollen, dass über 50-Jährige länger Arbeitslosengelder erhalten. Die Bürgerlichen möchten verhindern, dass Arbeiter im Alter teuer werden und daher die Alterszuschläge in der Pensionskasse senken. Beides scheiterte. Einigen können sich die beiden Lager auf bessere Weiterbildungen. Etwas, das die Betroffenen meist als unnütz und wenig hilfreich betrachten. Das Problem der 54'615 Menschen wird so nicht verschwinden. Und es wird sich wegen des demografischen Wandels weiter verschärfen.

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