Elektroautos müssen lauter werden

Weil sie zu leise sind, müssen E-Autos künstliche Fahrgeräusche machen. Das Gesetz kommt auch in der Schweiz.

Muss tönen: Zwei Personen fahren in einem «e.GO Life» im deutschen Aachen. (Archivbild) Bild: Marius Becker/DPA

Muss tönen: Zwei Personen fahren in einem «e.GO Life» im deutschen Aachen. (Archivbild) Bild: Marius Becker/DPA

Vom Strassenlärm Geplagte und Fahrer von Elektroautos freuten sich über die Entwicklung in Richtung mehr Ruhe. Weil es aber immer wieder Unfälle mit Fussgängern gibt, müssen elektrisch angetriebene Autos lauter werden.

So wollen es die Gesetzgeber auf der ganzen Welt. In der EU tritt ab Juli 2019 eine Verordnung in Kraft, die eine akustische Warneinrichtung vorschreibt. Die Schweiz zieht mit, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Sie übernimmt demnach die EU-Vorgaben, das Bundesamt für Strassen (Astra) ist mit der Umsetzung beschäftigt.

In der EU wird das Gesetz stufenweise eingeführt. Zunächst müssen neue Elektroautos dem AVAS ausgerüstet sein. Die Abkürzung steht für Acoustic Vehicle Alerting System. Dieses gibt bis zu einer Geschwindigkeit von 20 Kilometer pro Stunde ein künstliches Fahrgeräusch von sich.

Ab Sommer 2020 wird das System für alle neu in den Verkehr gebrachten Elektroautos, wie auch für Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge vorgeschrieben.

Mehr Unfälle mit Elektroautos

Der Schritt zu mehr Lärm ist ein Erfolg für die Sehbehinderten-Verbände. Laut der US-amerikanischen Verkehrsbehörde NHTSA sind elektrische Fahrzeuge zu 37 Prozent häufiger in Unfälle mit Fussgängern verwickelt als herkömmliche Autos.

Die EU-Verordnung sei auch eine Folge von jahrelangem Druck durch die Weltblindenunion und die Europäische Blindenunion, berichtete der «Spiegel» Anfang Woche.

Auch beim Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband (SBV) ist man davon überzeugt, dass geräuschlos fahrende Autos überdurchschnittlich viele Unfälle verursachen. «Für uns ist die Einführung dieses Systems lebenswichtig», zitiert die «NZZ am Sonntag» einen Sprecher.

Studien würden dies belegen, obwohl Unfälle mit Sehbehinderten in den Statistiken nicht spezifisch ausgewiesen würden. «Die Zahlen machen aber klar, dass geräuschlose Autos ein grosses Sicherheitsrisiko sind.»

Umstrittene Zahlen

Der Blindenverband würde am liebsten noch weiter gehen. Die Schweiz solle mehr tun, als nur die Vorgaben der EU zu übernehmen, sagt der Sprecher. So würde er es begrüssen, wenn die Autos auch im Stillstand ein Geräusch abgeben würden, etwa an einem Stopp oder vor dem Losfahren.

«Denn unsere Ohren sind unsere Augen. Hören wir Fahrzeuge nicht mehr, schränkt das unsere Bewegungsfreiheit stark ein», sagte er der Zeitung. Zudem seien nicht hörbare Elektrofahrzeuge auch eine Gefahr für für Kinder und ältere Menschen.

Die Zahlen sind jedoch umstritten. Von 4,5 Millionen Autos waren Ende 2017 in der Schweiz gerade einmal 15'000 Elektroautos und 67'000 Hybride. In der Unfallstatistik fielen diese laut dem Astra jedoch nicht besonders auf.

So tönt das AVAS. Quelle: UNECE

Dieser Youtube-Nutzer hat das akustische Warnsystem getestet. Video: Schräg/Youtube

oli

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