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«Eltern sollen die Schule wählen»

Nicht Behörden, sondern Eltern sollen die Schulwahl treffen, fordert Pia Amacher. Sie präsidiert die Elternlobby, die in einigen Kantonen Initiativen für die freie Schulwahl lanciert. Am Wochenende kommts zur ersten Abstimmung.

Was bringt es, wenn Eltern die Schule für ihr Kind aussuchen?Pia Amacher: Heute können dies nur die reichen, es sollen aber alle Eltern die beste Schule für ihr Kind wählen können, sei diese nun privat oder staatlich. Auch innerhalb der Staatsschulen soll Wahlfreiheit bestehen. Mit der freien Schulwahl könnten auch vom Staat geschlossene Dorfschulen in freier Trägerschaft weitergeführt werden. Wenn die Schüler fehlen, ist eine Dorfschule auch mit freier Schulwahl nicht zu retten.Doch, wenn sie attraktiv ist und ein tolles Angebot aufbaut. Dann kann sie Schüler aus anderen Dörfern anziehen. So entsteht eine pädagogische Konkurrenz. Schulen müssen sich ein Profil geben, was ihnen gut tut. Das Niveau wird steigen. Führt die freie Schulwahl nicht zu einer Ghettoisierung?Die haben wir jetzt schon. In Städten gibt es Schulhäuser mit fast 100 Prozent Migrantenkindern und nicht weit davon entfernt Schulen, welche fast ausschliesslich Schweizer Kinder aus Villenquartieren besuchen. Das wird sich mit der freien Schulwahl noch verstärken. Nein. Wem die Schule im Quartier nicht passt, muss es sich heute leisten können, sein Kind in eine andere Schule zu schicken. In Zukunft könnten das alle tun, auch finanziell weniger gut gestellte Eltern. Nicht alle Eltern werden sich um die beste Schule bemühen können.Aber das darf doch nicht dazu führen, dass jene sich nicht darum bemühen dürfen, welche es können! Zudem: Unterschätzen Sie ausländische Eltern nicht. Viele sind sehr ehrgeizig und kümmern sich um die Schulbildung ihrer Kinder, weil sie wollen, dass es die nächste Generation besser hat.Sie glauben also nicht, dass die Initiative eine Schere zwischen guten und schlechten Schulen öffnet? In Holland hat man dagegen ein Rezept gefunden: Je tiefer der Bildungsstandard der Eltern, desto mehr Schulgeld zahlt der Staat für das Kind. Das bedeutet, dass den sogenannten Ghettoschulen mehr Geld zur Verfügung steht als den Villenschulen. Sie können ihr Angebot attraktiver gestalten und Fördermassnahmen anbieten. Dies wiederum macht die Schule für andere Kinder attraktiv und ermöglicht eine bessere Durchmischung im Gymnasium. Unterschiedlich hohes Schulgeld fordern Sie aber nicht.Nein, aber es wäre später eine Möglichkeit, um den ungerechten Bildungschancen entgegenzuwirken. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kritisiert, die Schweiz belege punkto Chancengleichheit im europäischen Bildungswesen einer der hintersten Ränge. Das verwundert nicht, denn es ist eine Tatsache, dass nicht jedes Kind in einer Staatsschule optimal gebildet werden kann. Aber heute kann nur, wer Geld hat, etwas daran ändern und sein Kind in eine Privatschule schicken. Schulen müssten Werbung für sich machen, Kantone Kontrollen garantieren. Das kostet.Viele Kinder benötigen in der staatlichen Schule sonderpädagogische Massnahmen, das kostet auch viel Geld. Ein Teil dieser Kosten würde eingespart, wenn das Kind eine Schule besuchen könnte, deren Modell ihm besser entspricht. Ist es für das Kind nicht das Beste, wenn es die nahe Schule des Quartiers besucht, in die auch seine Kameraden gehen?Doch, das hat sicher oberste Priorität. Auch mit der freien Schulwahl werden die meisten Eltern ihre Kinder in das nächstgelegene Schulhaus schicken, weil das die beste Lösung ist. Aber wenn es einem Kind in dieser Schule nicht gut geht, dann können es die Eltern heute nicht aus der Klasse nehmen, sondern muss zuerst die Schulleitung in eine Abklärung einwilligen, was Monate oder gar Jahre dauern kann. In dieser Zeit leidet das Kind. Das darf nicht sein. Nicht die Behörden, sondern die Eltern sollen über die Art der Bildung ihres Kindes entscheiden, denn sie tragen die Verantwortung für das Kind. Schweizweit sollen dank dem Projekt HarmoS die Schulen harmonisiert werden, und Bildungsstandards sollen überall das gleiche Niveau garantieren. Ist da die freie Schulwahl überhaupt noch nötig?HarmoS und freie Schulwahl haben nichts miteinander zu tun. Wenn Eltern HarmoS toll finden, dann wählen sie für ihr Kind ein HarmoS-Modell. Wenn sie mit den Zielen von HarmoS nicht einverstanden sind, dann können sie eine andere Schule wählen wie etwa die Steiner-Schule.Droht nicht ein Bildungschaos?Auch Privatschulen müssen Kernziele erreichen, welche die Kantone ihnen vorschreiben, und sie müssen garantieren, dass der Übertritt in eine Standardschule jederzeit gewährleistet ist, sonst erhalten sie gar keine Bewilligung. Nur erreichen sie ihre Ziele über andere Wege als die Standardschule.

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