Falsch, falsch, kreuzfalsch

Im neuen Bundesratslexikon würden Unwahrheiten über ihn verbreitet, klagt Moritz Leuenberger.

Leuenberger ist sauer auf das Bundesratslexikon. Foto: Doris Fanconi

Leuenberger ist sauer auf das Bundesratslexikon. Foto: Doris Fanconi

Christoph Lenz@lenzchristoph

Es wiegt über 2 Kilo und liegt kompakt in der Hand. Man könnte mit dem Bundesratslexikon, das Historiker Urs Altermatt ­Anfang Jahr neu aufgelegt hat, allerhand anstellen. Den Bizeps stärken zum Beispiel. Oder jemanden erschlagen.

Doch auch bei bestimmungsgemässem Gebrauch kann es zu Verletzungen kommen – vor allem seelischen. So geschehen bei Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger. Im Mai fand der 2010 zurückgetretene SP-Magistrat ein Exemplar des Wälzers (NZZ Libro, 98 Franken) in seiner Post vor. Er freute sich und machte sich daran, aus den 119 Porträts aller je gewählten Bundesräte den Beitrag 101 zu lesen. Sieben Seiten über Moritz Leuenberger.

Er habe nicht schlecht gestaunt, erzählte Leuenberger danach der Redaktion von CH Media. Der Artikel, der ihm gewidmet sei, enthalte eine Reihe von Fehlern. Angefangen mit der ­Familiengeschichte. Sie werde «kreuzfalsch wiedergegeben». So heisse es im Bundesratslexikon, er habe seine zweite Lebenspartnerin, Gret Loewensberg, im ­Zürcher Stadtparlament kennen gelernt. Loewensberg sei SP-­Gemeinderätin gewesen. Das stimme nicht, so Leuenberger.

Gescheitert wie Maudet?

Falsch sei weiter der Name seiner ersten Ehepartnerin. Falsch werde auch beschrieben, wie er sie kennen gelernt habe. Falsch sei zudem vieles in der Würdigung seiner politischen Arbeit. Etwa, dass das Parlament seinetwegen ein Gesetz verabschiedet habe mit Karenzfristen für Alt-Bundesräte oder dass die Landesregierung ihm das Luftfahrtdossier entzogen habe. Er werde mit dieser Darstellung, so Leuenberger, «in die Nähe von gescheiterten Regierungsräten wie Pierre Maudet oder Franziska Roth gerückt».

Leuenberger deutet an, dass er darüber hinwegsehen würde, wenn es die «NZZ am Sonntag» oder «20 Minuten» gewesen wären, welche die Falschinformationen verbreiteten. Da gehe es ja wieder vergessen. «Aber es steht in einem Lexikon, einem Nachschlagewerk, das sich an Historiker und Journalisten richtet. Diese gehen dann davon aus, dass die Angaben stimmen.»

Verfasser des Lexikonbeitrags zum einstigen Umwelt-, Verkehrs- und Energieminister ist der Journalist Felix E. Müller. Er befindet sich gerade auf der NZZ-Leserreise «Transatlantik mit der Queen Mary 2». Dort hält der ­«federführende Erschaffer und langjährige Chefredaktor der ‹NZZ am Sonntag›» (NZZ-Reiseprospekt) verschiedene Fachreferate, unter anderem führt er die Passagiere «in die Entstehungsgeschichte der nunmehr 15-jährigen Schweizer Sonntagszeitung ein». Daneben führt er ­Gespräche mit den Passagieren («diskutieren Sie beim Lunch mit Felix E. Müller»).

Kein Netz im Atlantik

Für den NZZ-Libro-Verlag, der das Bundesratslexikon herausgibt, war Felix E. Müller bisher nicht erreichbar. Man wolle die Vorwürfe aber mit ihm und mit dem Herausgeber Urs Altermatt diskutieren, bevor man über ­weitere Schritte entscheide, sagt ­Mediensprecher Simon Rüttimann. Ob und wie allfällige Fehler korrigiert werden könnten, lässt der Verlag vorläufig offen.

Wider Erwarten und trotz technischer Schwierigkeiten gelang es dieser Zeitung gestern, mit Felix E. Müller ein kurzes Telefongespräch zu führen. Auf dem Nordatlantik gebe es kaum Telefonnetz oder Internetverbindung, sagte Müller. Er kenne die Vorwürfe deshalb erst in den Umrissen. Müller schliesst nicht aus, dass es in seinem Beitrag Ungenauigkeiten gibt. Vor einer sorgfältigen Analyse könne er sich zur Sache aber nicht äussern. Was er zum jetzigen Zeitpunkt aber sagen könne: «Vom Nordatlantik aus betrachtet, sieht die Welt anders aus.»

Man darf davon ausgehen, dass Moritz Leuenberger das ganz anders sieht.

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