FBI schickt 9000 Meldungen wegen Kinderpornos

Die Verdachtsmeldungen der Amerikaner an die Schweizer Polizei haben stark zugenommen. Die meisten Täter seien nicht pädophil, sagt Anwalt Martin Steiger.

Amerikanische Behörden leiten verdächtige IP-Adressen auch an die Schweizer Polizei weiter. (Symbolbild)

Amerikanische Behörden leiten verdächtige IP-Adressen auch an die Schweizer Polizei weiter. (Symbolbild)

(Bild: Keystone)

Mario Stäuble@mario_staeuble

2018 schickte das FBI rund 9000 Pornografie-Verdachtsmeldungen an das Bundesamt für Polizei Fedpol. Sie drehten sich meistens um Kinderpornografie, seltener auch um Gewalt- oder Tierdarstellungen. Vier Jahre zuvor, als die Vereinigten Staaten das Programm gestartet hatten, waren es noch weniger als 500 gewesen, wie Fedpol eine Meldung der «NZZ am Sonntag» bestätigt. Mit anderen Worten: Die Zahl der Hinweise explodiert.

Wer sind diese Täter? In der Mehrzahl nicht pädophil, sagt der Zürcher Anwalt Martin Steiger. Er hat schon einige Beschuldigte verteidigt, denen die Justiz Online-Pornografie vorwarf. «Oft ist es die Neugier, und oft sind die Fälle geradezu banal.» Die Betroffenen laden zum Beispiel Fotos von der berüchtigten Chatplattform 4chan herunter und legen sie auf einem Cloud-Speicher ab. Oder sie stossen in Peer-to-Peer-Netzwerken auf das verbotene Material.

Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Kontrollen unterschätzen, denen der Netzverkehr heute unterliegt. So sind Internet-Provider in den USA verpflichtet, Websites auf illegale Inhalte zu durchleuchten. Die grossen Anbieter verwenden inzwischen ausgeklügelte Algorithmen. Sie nutzen dazu Datenbanken mit verbotenen Bildern, die sie mit den Inhalten auf ihren Speichern abgleichen. Die Bilder müssen nicht öffentlich zugänglich sein – auch private Online-Speicher wie etwa Google Drive werden gescannt.

NGO sammelt in den USA Hinweise

Wenn den Anbietern etwas auffällt, senden sie einen Hinweis an das «National Center for Missing and Exploited Children» – eine private Non-Profit-Organisation, welche Meldungen sammelt und an das FBI weiterleitet. Die Ermittlungsbehörde wiederum schickt die Meldungen je nach IP-Adresse an ausländische Partner weiter. In der Schweiz ist Fedpol zuständig. Nach einem ersten Check verteilt Bern die Hinweise an die kantonalen Behörden weiter.

Die Meldungen aus den USA seien im Allgemeinen zuverlässig, sagt Anwalt Steiger. Das Facebook-Familienfoto, auf welchen der jüngste Sohn zufällig nackt durchs Bild spaziert, löst also kaum Kinderpornografie-Alarm aus. Auf der anderen Seite führt lange nicht jeder Hinweis zu einer Verurteilung: Nicht immer gelingt es den Ermittlern, ein verbotenes Bild, das von einer bestimmten IP-Adresse aus hochgeladen wurde, einer konkreten Person zuzuordnen.

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