Zum Hauptinhalt springen

FDP: Angst vor Nähe zu Top-Managern

Die Bonus-Debatte beschäftigt die Basis der Freisinnigen. Sie fürchten, die Partei werde in die Nähe gieriger Manager gerückt.

Lebhaft werden die FDP-Delegierten erst beim Steh-Lunch nach Schluss ihrer Versammlung im Kultur-Casino Bern. Diskutiert wird aber nicht die Fusion zwischen FDP und Liberalen, sondern die Finanzkrise. «Wenn ich so haushalten würde wie die Banken», empört sich Edith Lütschg aus Glarus an einem der Tische, «ich wäre nicht weit gekommen.» Die Höhe der Bankmanager-Boni findet sie «jenseits von Gut und Böse». Der junge Berner Nationalrat Christian Wasserfallen, der dabei steht, sagt, die Exzesse hätten dem System die Glaubwürdigkeit genommen.

Am Nebentisch befürchtet der Ustermer Gemeinderat Matthias Bickel, der Freisinn werde zurzeit mit Finanzegoismus statt mit Liberalismus gleichgesetzt. Die FDP habe möglicherweise unter dem schlechten Image jener bekannter Grossmanager zu leiden, «die nicht merken, dass ihr Tun eine politische Komponente hat». Er vermisse bei gewissen Wirtschaftsführern die Eigenverantwortung, sekundiert Kurt Egli aus Embrach. Sie beide sind – im Verbund mit etlichen andern FDP-Mitgliedern – besorgt über die Nähe der FDP zu notorischen Spitzenverdienern: Daniel Vasella und Walter Kielholz sind Mitglieder des Vereins Freunde der FDP, der abgesetzte UBS-Manager Peter Wuffli präsidiert die Organisation.

Der Aargauer Nationalrat Philipp Müller hatte schon letztes Wochenende Wufflis Rücktritt gefordert. Wasserfallen betont: «Die Freunde der FDP haben in Gesellschaft und Wirtschaft eine wichtige Vorbildfunktion. Diese Verantwortung müssen sie unbedingt übernehmen.»

Basis froh, dass Pelli Wuffli trifft

Mit Erleichterung haben die FDP-Delegierten zur Kenntnis genommen, dass Fulvio Pelli sich Anfang November mit Wuffli aussprechen will: «Ich bin sicher, dass wir gemeinsam eine gute Lösung finden werden», sagt der Parteipräsident. Zuvor hatte er in seiner Rede Bescheidenheit als grundlegenden liberalen Wert deklamiert und sich zynisch über Blocher und Ospel geäussert: «Niemand hat unseren liberalen Werten so geschadet wie das Blospeln der Pseudo-Liberalen», sagte Pelli – und erntete dafür Applaus. Allerdings nicht von allen: Der Basler Regierungsrat Christoph Eymann empfindet die Äusserungen als Anbiederung. Pelli lässt sich nicht beirren: «Was ich meine, sage ich. Früher war meine Kritik leise, weil die UBS scheinbar fehlerfrei war. Doch wenn der Staat heute massiv eingreifen muss, sind Klartext bei Kritik und Forderungen zwingend.» Er weiss den Grossteil seiner Basis hinter sich.

Auch die Kantonalpräsidenten Léonard Bender aus dem Wallis, Johannes Matyassy aus Bern und Beat Walti aus Zürich – ebenso die St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter – sagen, dass die Diskussion über Finanzkrise und Boni in ihren Kantonen sehr emotional geführt werde. Sie sind sich bewusst, dass auch die eigenen Leute solche Entschädigungen nicht mehr zu akzeptieren bereit sind. Bei der FDP sei eine Verbesserung der Aktionärsrechte mehrheitsfähig, glaubt Walti. Was alle angefragten Delegierten am Samstag bestätigen. Dass der Staat die Managerlöhne mitbestimmt, erachtet in der FDP niemand für sinnvoll. Hingegen plädieren sie dafür, dass die Aktionäre über die Entschädigungen der Verwaltungsräte einzeln abstimmen. Was laut «NZZ am Sonntag» der Bundesrat so vorsieht.

Was am Samstag hingegen keine hohen Wellen mehr warf, war die Fusion zwischen Freisinn und Liberalen. Die Delegierten segneten die gemeinsamen Statuten einstimmig ab. Zuvor hatten die Freisinnigen und die Liberalen je einzeln die Fusion gutgeheissen – die FDP oppositionslos, die Liberalen gegen den Willen ihrer Basler Kantonalpartei.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch