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Fischer müssen Insel für Touristenanlage räumen

Die sri-lankische Regierung schliesst mit einer Investorengruppe einen Leasingvertrag für eine Insel ab. Beteiligt ist auch ein Genfer Reisebüro.

Potenzial für Tourismusunternehmen: Strand bei Tangalla im Süden Sri Lankas.
Potenzial für Tourismusunternehmen: Strand bei Tangalla im Süden Sri Lankas.
Keystone

Ferien auf der einsamen, unbekannten Insel – damit werben Reisebüros dereinst für Ferien im unberührten Niemandsland auf Sri Lanka. Was nicht in der Werbung steht: dass rund 200 einheimische Fischer, welche die Insel saisonal benutzen, die Insel verlassen müssen. Im vergangenen Sommer habe die sri-lankische Regierung mit einem Joint Venture einen 30 Jahre dauernden Leasingvertrag für die Insel Vellai im Westen Sri Lankas abgeschlossen, teilt die Gesellschaft für bedrohte Völker in Bern mit. Am Projekt beteiligt sei auch die Genfer Reiseagentur Lets Travel.

Betroffene noch nicht informiert

Auf der 25 Hektaren grossen Sandbank sollen in den nächsten drei Jahren 50 Bungalows gebaut werden, wie es heisst, auf Pfählen, weil sich der sandige Untergrund schlecht zum Bauen eignet. Die betroffenen Fischer, die sich einen andern Platz für ihren Lebensunterhalt suchen müssen, seien noch nicht informiert worden.

Louis Siriwardena, der Chef von Lets Travel, räumt ein, dass nicht alle betroffenen Inselbewohner informiert worden seien. Doch es handle sich um Nomadenfamilien, zitiert ihn die Zeitung «Le Matin Dimanche». Er sei mehrmals vor Ort gereist und habe jedes Mal andere Fischer angetroffen. Ausserdem würden diese nicht davongejagt: 6 Prozent der Investitionssumme seien laut Vertrag für die lokale Wirtschaftsförderung reserviert.

Chance auf einen Arbeitsplatz

Ursprünglich seien 5000 Zimmer auf verschiedenen sri-lankischen Inseln geplant gewesen, sagt Siriwardena weiter, dessen Vater aus Sri Lanka stammt, die Mutter aus der Schweiz. Doch der Krieg gegen die Tamil Tigers habe die Pläne zunichte gemacht. Jetzt müssten rasch eine Infrastruktur und Arbeitsplätze geschaffen werden. Dies sei auch im Sinne der betroffenen Fischer, die damit Chancen auf einen dauerhaften Arbeitsplatz hätten: «Sie könnten für meine Touristen kochen.»

Aus humanitärer Sicht sei das Projekt unhaltbar, kritisiert die Gesellschaft für bedrohte Völker. «Das sri-lankische Parlament wurde über den Vertrag erst im März 2011 informiert», sagt Angela Mattli, Verantwortliche für Kampagnen und Projekte. Deshalb seien auch im Parlament Proteste laut geworden. Beim Vertragsabschluss im vergangenen Sommer habe die Regierung fälschlicherweise behauptet, die Insel sei unbewohnt.

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