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Französischer Geldsegen für den Jura

Der Kanton Jura galt lange als Armenhaus der Schweiz. Dank François Hollandes Reichensteuer könnten diese Zeiten bald vorbei sein. Immer mehr vermögende Franzosen ziehen in die Ajoie.

heb
Begehrte Hanglage: In der Gemeinde Pruntrut wurden in den letzten fünf Jahren 150 Einfamilienhäuser gebaut. (Archivbild 2009)
Begehrte Hanglage: In der Gemeinde Pruntrut wurden in den letzten fünf Jahren 150 Einfamilienhäuser gebaut. (Archivbild 2009)
Keystone

Seit François Hollande im Präsidentschaftswahlkampf ankündigte, nach seiner Wahl eine Reichensteuer einzuführen, suchten nicht wenige vermögende Franzosen nach einem günstigen Zufluchtsort in der Schweiz. Wie der Immobilienmakler Julien Raval aus Pruntrut gegenüber der «Zeit» berichtet, nehmen auch im Jura die Anfragen von Franzosen nach Immobilien stark zu. «In neunzig Prozent der Fälle geht es ihnen dabei ums Steuernsparen», sagt der 32-Jährige gegenüber der Zeitung (Artikel online nicht verfügbar).

Denn der Kanton Jura gehört zu einem jener 12 Stände, die nach wie vor die Möglichkeit zur Pauschalbesteuerung bieten. Im Kanton Jura bezahlen bisher 19 Personen einen Pauschalbetrag, der nach ihrem Lebensaufwand berechnet ist, 13 davon leben in der Gegend von Pruntrut, schreibt die Zeitung. Einer, der die Ankömmlinge in Steuerfragen berät, ist der Anwalt und Notar Manuel Piquerez. Sein typischer Klient besitze ein Vermögen von über 10 Millionen Euro und stehe mitten im Berufsleben, sagt der 42-Jährige gegenüber der «Zeit».

Veränderungen tun dem Kanton gut

«Wer mich anruft, hat oft die Nase voll davon, drei Viertel seiner Zeit für den Staat zu arbeiten», sagt der Anwalt. Doch auch die Ruhe und die kurzen Bürokratiewege führten seine Kunden in den Jura, erklärt er. Aber nicht nur Gutbetuchte zieht es in den Jura: Auch für mittelständische Franzosen ist ein Zweitwohnsitz hier wegen tiefer Baulandpreise von 100 bis 180 Franken pro Quadratmeter attraktiv. Allein in den letzten fünf Jahren wurden an den Hanglagen ausserhalb von Pruntrut 150 Einfamilienhäuser gebaut.

Auch Schweizer Firmen haben in den letzten Jahren wieder mehr in den nordwestlichen Kanton investiert: Rund 1000 neue Stellen sind gemäss Recherchen der «Zeit» in den letzten drei Jahren zum Beispiel in neuen Werken von Uhrenfirmen wie TAG Heuer oder Swatch entstanden. Diese Veränderungen tun dem Kanton gut, sind sich Immobilienmakler Raval und Anwalt Piquerez einig. «Wir kriegen nun, was andere schon seit Jahren kriegen: mehr Wohlstand», sagt Piquerez.

Paris rückt näher

Auch der Vizebürgermeister von Pruntrut, Marcel Bailly, begrüsst den neuen Wohlstand. «Wir brauchen mehr gute Steuerzahler», ist er überzeugt. Trotzdem wolle man eine grüne Zone bleiben, betont der ehemalige Gymnasiallehrer. Ausser in ein neues Primarschulhaus sei seit 40 Jahren nichts mehr in die Infrastruktur von Pruntrut investiert worden, sagt er. «Wir müssen nun einiges nachholen», erklärt er gegenüber der Zeitung. Deshalb sind in der Gemeinde nun gleich drei grosse Bauprojekte in der Pipeline: Der Bahnhofsplatz soll für 1,5 Millionen ein neues Gesicht erhalten, für 7 Millionen soll ein neues Gemeindetheater gebaut werden. Zudem soll eine neue Eishalle die Attraktivität der Gemeinde steigern. Kostenpunkt: 17 Millionen Franken.

Mit solcherlei Investitionen hofft man, dass nach den reichen Franzosen auch Touristen den Weg in die Ajoie finden werden. Dies könnte dank einer attraktiven Bahnverbindung nach Paris Wirklichkeit werden: Der 2011 eröffnete TGV-Bahnhof Belfort-Montbéliard ist nur einen Katzensprung von Pruntrut entfernt – in gut 20 Minuten ist man mit dem Auto dort. Und von dort aus sind es nur noch 2 Stunden und 16 Minuten in die Grossstadt Paris.

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