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Fünf Armee-Kader stehen wegen Veruntreuung vor Gericht

Fünf Kaderangehörige der Schweizer Armee werden beschuldigt, Ausrüstung und Infrastruktur des Militärs privat genutzt zu haben. Heute hat ihr Prozess begonnen.

Den Angeklagten wird unter anderem Veruntreuung und Missbrauch von Material vorgeworfen: Schweizer Infanterie auf einem Waffenplatz.(Symbolbild)
Den Angeklagten wird unter anderem Veruntreuung und Missbrauch von Material vorgeworfen: Schweizer Infanterie auf einem Waffenplatz.(Symbolbild)
Keystone

Fünf Armee-Kader müssen sich ab Montag vor dem Militärgericht in Yverdon-les-Bains VD verantworten. Sie sollen über Jahre Ausrüstungsgegenstände und Infrastruktur der Armee für nichtdienstliche Zwecke verwendet und sich damit bereichert haben.

Bei den fünf Angeklagten handelt es sich laut Militärjustiz um Kaderangehörige des «Lehrverbandes Infanterie». Konkret wird ihnen Veruntreuung, Missbrauch von Material sowie Nichtbefolgung von Dienstvorschriften vorgeworfen. In einem Fall lautet die Anklage zudem «gewerbsmässiger Betrug».

Anwälte: «Die Realität ist eine ganz Andere»

Die Verteidiger der fünf Angeklagten haben vor dem Militärgericht die ihnen angelasteten Straftaten als ungerecht und übertrieben zurückgewiesen. Sie forderten, dass die Gerichtsverhandlung vertagt wird, um die Untersuchung zu vervollständigen.

«Ein Untersuchungsrichter hat geglaubt, dass es sich um eine Jahrhundertaffäre handelt», sagte einer der Verteidiger, Robert Assaël, zum Auftakt des Prozesses.

Der Untersuchungsrichter habe einzig nach belastenden Elementen gesucht und versucht, eine Art Parallelarmee zu beschrieben, die im Unwissen der Vorgesetzten aktiv gewesen sei. «Die Realität ist aber eine ganz Andere», sagte der Verteidiger weiter.

Um 800'000 Franken bereichert

Beim Hauptangeklagten handelt es sich um einen auch international anerkannten Spezialisten im Bereich des Gefechtsschiessens. Er soll Schiessstände der Armee benutzt haben, um dort regelmässig kostspielige Kurse für einen Verein zu organisieren, dessen Vizepräsident er war.

Für die Benutzung der Räumlichkeiten bezahlte er keine Miete, so dass dem Bund Einnahmen von rund 300'000 Franken entgangen sind. Insgesamt soll er sich um mehr als 800'000 Franken bereichert haben.

Das Geld benutzte er unter anderem, um seiner Ehefrau monatlich 1000 Franken zu bezahlen, aber auch, um für 99'000 Franken Waffen für den persönlichen Gebrauch zu kaufen. Er ist unter anderem des gewerbsmässigen Betrugs sowie der Veruntreuung in schwerwiegender Weise angeklagt.

Die Hauptverhandlung vor dem Militärgericht 2 dauert die ganze Woche. Das Urteil soll anfangs 2017 verkündet werden.

Negativschlagzeilen

Die Schweizer Armee hatte erst am vergangenen Freitag für Negativschlagzeilen gesorgt, als bekannt wurde, dass das Verteidigungsdepartement bei der Bundesanwaltschaft eine Strafanzeige gegen den Oberfeldarzt der Schweizer Armee eingereicht hat.

Auslöser ist ein Verdacht auf «strafbare Handlungen gegen das Vermögen sowie strafbare Handlungen gegen die Amts- und Berufspflichten». Der betroffene Divisionär Andreas Stettbacher wurde freigestellt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

SDA/kat

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