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Gehören junge Mütter ins Bundeshaus?

SVP-Nationalrätin Jasmin Hutter wird Mutter und tritt als Vizepräsidentin der Partei zurück. Dies löst eine Grundsatzdiskussion aus.

Die St.Galler Nationalrätin Jasmin Hutter wird im Dezember Mutter. Diese freudige Nachricht sorgt unter Frauen in der Politik für reichlich Gesprächsstoff. Im Zentrum steht die Ankündigung Hutters, als Vizepräsidentin der SVP zurückzutreten. «Mutterschaft und Vizepräsidentinnenamt schliessen sich für mich gegenseitig aus. Die Belastung ist viel zu gross, um sich nebenbei noch um das Kind zu kümmern», sagte sie dem «Blick». Hutter spielt sogar mit dem Gedanken, auch als Nationalrätin zurückzutreten. Parteipolitik als Bumerang?Politische Gegnerinnen würden den Totalrückzug begrüssen. Die Züricher CVP-Nationalrätin und zweifache Mutter Barbara Schmid-Federer zum Beispiel sagt: «Seit ich Jasmin Hutter kenne, predigt sie dagegen an, dass sich Mütter im Beruf verwirklichen wollen. Deshalb empfände ich es als stossend und inkonsequent, wenn sie nun ihr Nationalratsmandat nicht aufgeben würde.» In der Tat propagiert die Partei primär das traditionelle Familienbild – die Mutter ist zu Hause, der Vater arbeitet. Dieses Modell verdiene den besonderen Schutz und die Anerkennung des Staates und der Gesellschaft, schreibt die Partei in ihrem Positionspapier zur Sozialpolitik. «Dies ist die geeignetste Familienform», glaubt auch Parteipräsident Toni Brunner. Allerdings betont er auf Anfrage, dass es der SVP grundsätzlich nicht wichtig sei, wie ihre Mitglieder sich privat organisierten, welche Familienform sie wählten. «Was wir anstreben, ist vielmehr, dass die traditionelle Familie in der heutigen Zeit nicht diskriminiert wird», stellt Brunner klar. Wenn sich eine Frau bewusst zur Familie bekenne, sei ihr das hoch anzurechnen. «Obwohl ich sie als Vizepräsidentin gerne behalten hätte; Jasmin Hutter geht hier beispielhaft voran», sagt Brunner. Ihr Vorgehen könne junge Mütter ermuntern, sich erst um ihre kleinen Kinder zu kümmern und später wieder voll einzusteigen. Moser will weitermachenAm anderen Ende des politischen Spektrums sieht man die Lage naturgemäss anders. Die Berner SP-Nationalrätin Evi Allemann meint: «Unzählige Frauen machen vor, dass es möglich ist, Politik, Beruf und Familie zu vereinbaren.» Dies sei schwierig, aber machbar. Darauf stellt sich die hochschwangere Tiana Angelina Moser ein. Sie ist Zürcher Nationalrätin der Grünliberalen Partei. Sie hat ihren Geburtstermin im August und plant im Herbst eine Session «light», wie sie sagt. «Im Winter will ich aber wieder voll mit dabei sein. Es muss möglich sein, Politik und Familie unter einen Hut zu bringen», betont sie. Wirkt die Diskussion um Hutters politische Zukunft vielleicht aber abschreckend auf junge Frauen, die erst noch in die Politik einsteigen wollen? Politgeograf Michael Hermann von der Universität Zürich glaubt dies nicht. Denn eigentlich sei Politikerin der perfekte Teilzeitjob. Er sieht im «Fall Hutter» aber eine Warnung an alle Nachwuchspolitikerinnen und -politiker, gut aufzupassen, was man sage. «Das gilt gerade bei ideologischen Fragen», betont Hermann. Pointierte Meinungen bei Glaubensfragen würden immer wieder auf die Person zurückfallen. Auch wenn es Jasmin Hutter und der SVP wehtue, sei sie als Kämpferin für die traditionelle Familie fast gezwungen, das Vizepräsidium abzugeben. Savary hats geschafftSP-Ständerätin Géraldine Savary (VD) macht werdenden und jungen Müttern, die Politkarriere machen wollen, Hoffnung. Sie brachte ihr zweites Kind vor fünf Jahren kurz nach ihrer Wahl in den Nationalrat zur Welt und übte ihr Mandat weiter aus, schaffte gar den Sprung in die kleine Kammer. «Es braucht ein gutes Umfeld, wenn man das politische Amt und das Muttersein verbinden will, gute Eltern zum Beispiel, die helfen, und ein Vater, der sich mit den Kindern beschäftigt», sagt sie. Zudem dürfe man als Frau nicht nach Perfektion streben. Savary ist aber überzeugt: «Für die Politik ist es zentral, dass auch Frauen mit Kindern mitentscheiden.» Gleicher Meinung sind offensichtlich weitere Politikerinnen über die Parteigrenzen hinweg. Neben Savary sitzen mit SP-Fraktionschefin Ursula Wyss (BE), Isabelle Moret (FDP, VD) oder Chantal Galladé (SP, ZH) weitere Mütter mit jüngeren Kindern im Parlament.

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