Gemischte Gefühle zum Älterwerden

Deutschschweizer freuen sich auf weniger Verpflichtungen im Alter, fürchten sich aber vor gesundheitlichen Problemen. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage.

Ein zentrales Thema in Bezug auf Sorgen und Ängste spielt bei den Befragten die Gesundheit im Alter.

Ein zentrales Thema in Bezug auf Sorgen und Ängste spielt bei den Befragten die Gesundheit im Alter.

(Bild: iStock)

Der letzte Lebensabschnitt wird in der Deutschschweiz erfreulich positiv wahrgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Forschungsstelle sotomo. Sie zeigt aber auch, dass die Bevölkerung durchaus ein ambivalentes Verhältnis zum Älterwerden hat.

Denn mit dem Alter verbinden die meisten Menschen auch Ängste, etwa vor dem Verlust der geistigen Fähigkeiten oder davor, anderen zur Last zu fallen.

Insgesamt 9000 erwachsene Personen aus der Deutschschweiz befragte sotomo und gewichtete die Resultate repräsentativ, wie aus der am Mittwoch präsentierten Umfrage hervorgeht. Den Auftrag zur Umfrage gab das Berner Generationenhaus. Es ist eine Institution der Burgergemeinde Bern, das sich als öffentlicher Ort der Begegnung und des gesellschaftlichen Dialogs versteht.

Die Umfrage zeige ein "vielseitiges Stimmungsbild" zum persönlichen Umgang mit dem Älterwerden und zur alternden Gesellschaft, schreiben die Verfasser der Studie. Positiv mit dem Alter in Verbindung gebracht haben die Befragten Begriffe wie Gelassenheit, Freiheit von Verpflichtungen oder "niemandem mehr etwas beweisen müssen". Dem stehen Begriffe wie Zerfall und Einschränkungen gegenüber.

Aktiv, aber nur in der Freizeit

Eine überwiegende Mehrheit gesteht auch Menschen in hohem Alter zu, ein aktives und lustvolles Leben zu führen. Dies allerdings nur im Freizeitbereich. Eine deutliche Mehrheit findet es nämlich nicht angemessen, wenn sich 75-Jährige noch in der Arbeitswelt oder in der Politik engagieren.

Dies steht in Kontrast zum ebenfalls deutlich geäusserten Bedürfnis, dass in einer alternden Gesellschaft mit steigender Lebenserwartung auch Ältere stärker in die gesellschaftliche Verantwortung eingebunden werden sollen.

Mit gemischten Gefühlen

Dem Älterwerden begegnen die Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer mit gemischten Gefühlen. Weniger als 20 Prozent der Befragten freuten sich uneingeschränkt auf das Alter. Bei gegen 60 Prozent halten sich positive und negative Aspekte die Waage.

Ein zentrales Thema in Bezug auf Sorgen und Ängste spielt die Gesundheit. Demenz und Alzheimer werden am meisten befürchtet, wie die Umfrage zeigt. Doch auch eingeschränkte Bewegungsfreiheit und chronische Schmerzen machen den Befragten Angst.

Geht es um die typischen äusserlichen Zeichen des Älterwerdens, sind die Deutschschweizer recht gelassen. Falten und graue Haare machen den wenigsten Sorgen. Hingegen befürchtet rund die Hälfte eine Gewichtszunahme. Diese Begleiterscheinungen werden eher von Frauen und von jüngeren Menschen gefürchtet.

Der deutliche Geschlechterunterschied zeige, dass die gesellschaftlichen und persönlichen Erwartungen in Bezug auf Aussehen und Älterwerden auf Frauen noch immer einen grösseren Druck ausübten, schreiben die Studienverfasser.

Ewig jung?

Doch ewig leben oder ewig jung bleiben möchten eine grosse Mehrheit der Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer nicht. Dennoch stemmen sich viele bis zu einem gewissen Grad gegen das Älterwerden.

Mehr als die Hälfte der Befragten findet, dass ein assistierter Suizid grundsätzlich erlaubt sein soll, wenn jemand einen dauerhaften Sterbewunsch hege. Viele sprachen sich für Bedingungen aus, die erfüllt sein müsste, etwa eine unheilbare Krankheit.

flo/sda

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