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Westschweizer Häftlinge sitzen länger im Gefängnis

Röstigraben im Strafvollzug: Für die gleiche Tat müssen Gefangene in der Schweiz unterschiedlich lange in Haft bleiben.

Genf orientiert sich am Strafvollzug in Frankreich: Zelle in Puplinge bei Genf. (Archivbild)
Genf orientiert sich am Strafvollzug in Frankreich: Zelle in Puplinge bei Genf. (Archivbild)
Martial Trezzini, Keystone

In der Westschweiz müssen Gefangene häufiger ihre Strafe komplett absitzen als in der Deutschweiz. Das zeigt eine bisher unveröffentlichte Studie, die «10vor10» vorliegt. Die Studienautoren fordern nun, dass die Praxis in der ganzen Schweiz angeglichen wird.

Die bedingte Entlassung ist gesetzlich klar geregelt: Gefangene, die zwei Drittel ihrer Strafe abgesessen haben, müssen entlassen werden. Nur wenn die Gefahr eines Rückfalls besteht, können die Behörden sich dagegen entscheiden.

In der Westschweiz wird die Möglichkeit häufiger genutzt. Dort konnten in den in den letzten 10 Jahren nur 57 Prozent der Häftlinge das Gefängnis frühzeitig verlassen. In der Deutschweiz waren es dagegen 83 Prozent.

Für gleiche Tat länger im Gefängnis

«Das ist natürlich problematisch und kann zu Ungerechtigkeiten führen», sagt Thomas Freytag, Leiter der Studie. So könne es vorkommen, dass ein Häftling für die gleiche Tat in der Romandie länger im Gefängnis bleiben müsse als in der Westschweiz. «Wir orientieren uns an Frankreich», sagt der Genfer Sicherheitsdirektor Pierre Maudet. Dort sei es üblich, dass Täter ihre Strafe komplett absitzen würden.

Auch Fälle wie der Mord am Au-Pair-Mädchen Lucie im Kanton Aargau können für eine Verschärfung der Praxis sorgen. In den letzten zwei Jahren wurde dort nur noch jeder zweite Täter vorzeitig entlassen.

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