Hauptsache, das Gold glänzt

Bijoutiers entdecken gerade fair abgebautes Gold. Ein guter Ansatz. Doch das Interesse der Kunden hält sich in Grenzen. Und fair abgebaut heisst noch nicht, dass auf Chemikalien verzichtet wird.

Garantiert keine Kinder- und Zwangsarbeit: Die Sotrami-Goldmine in Peru verfügt seit 2011 über das Fair-Trade-Siegel.

Garantiert keine Kinder- und Zwangsarbeit: Die Sotrami-Goldmine in Peru verfügt seit 2011 über das Fair-Trade-Siegel.

(Bild: Imago)

Juliane Lutz@JulianeLutz

Lange war Jörg Eggimann einer der wenigen in der Schweiz, der konsequent Schmuckstücke aus fair gehandeltem Gold anfertigte.

Seit 2008 kauft der Berner Goldschmied faires Gold aus ökologischem Abbau, das ohne Einsatz von Chemikalien gewonnen wurde. «Zu mir kommen hauptsächlich Kunden, denen das Thema am Herzen liegt», sagt der 45-Jährige.

Chopard und Christ bieten an

Für eine andere Klientel, nämlich die sehr gut Betuchten, bietet Chopard seit 2013 mit der «Green Carpet»-Kollektion Schmuck aus «Fair mined»-Gold an. Die handgefertigten und mit vielen Diamanten gefassten Kostbarkeiten sind ab 100'000 Franken zu haben. Dafür bezieht Chopard das Gold aus kleinen, handwerklich betriebenen Minen in Lateinamerika. Dort herrschen strenge Vorgaben punkto sichere Arbeitsbedingungen, soziale Entwicklung und Umweltschutz. «Im Moment können wir allerdings nur Zeichen setzen, denn es gibt noch zu wenige Minen, die zertifiziert sind», sagt Chopard-PR-Managerin Annette Heuer.

Der gute Ansatz wird jetzt auch auf die breite Masse ausgedehnt. Vor kurzem hat die Stiftung Max Havelaar Gold aus einer Fair-Trade-zertifizierten Mine in der Schweiz lanciert. In der peruanischen Mine sind unter anderem Kinder- und Zwangsarbeit verboten, und die Mineure arbeiten unter sicheren Bedingungen.

Gefördert werden dort 600 Kilogramm Gold pro Jahr. Auch werden Umweltschutzbedingungen eingehalten, und Transparenz im Handel ist Prinzip. Seit Ende Oktober verkaufen Christ Uhren& Schmuck und Coop City Preziosen aus diesem fair abgebautem Gold. Die Preisklassen für den Schmuck liegen je nach Händler und Artikel zwischen 49 und 6899 Franken.

Gold wird kaum hinterfragt

Stammen die Eier von Hühnern aus Freilandhaltung? Wurde das Gemüse biologisch angebaut? Was die Herkunft von Lebensmitteln angeht, sind die Verbraucher zum Teil seit längerem sehr anspruchsvoll. Es wäre daher nur logisch, dass sie auch beim Kauf eines Schmuckstückes kritisch sind und wissen wollen, woher das Gold kommt. Doch da scheinen die Käufer von Jörg Eggimanns Kreationen und Filmstars, die sich Schmuck aus der «Green Carpet»-Kollektion von Chopard leisten können, zu den Ausnahmen zu gehören.

«Auf Kundenseite ist die Nachfrage nach der Herkunft des Goldes heute unbedeutend», sagt Jörg Baumann, Marketingchef bei Bucherer, einem Schwergewicht unter den Schweizer Bijoutiers. Ähnlich sieht es bei einem anderen Grossen aus, bei Gübelin. «Nur selten interessieren sich Kunden dafür, wo und wie das Gold abgebaut wurde», sagt Pressesprecherin Anne Gorgerat.

Carsten Menke, Goldexperte bei Julius Bär, bestätigt die bei Bucherer und Gübelin gemachten Beobachtungen. «Auch bei Investoren ist fair und ökologisch abgebautes Gold nicht wirklich ein Thema», sagt Menke. Er begrüsst die Initiative von Max Havelaar. Seiner Meinung nach fehlt es den Konsumenten noch an Wissen über entsprechende Programme.

Standards und Chemikalien

Carsten Menke gibt zu bedenken, dass – anders als in den Medien mitunter dargestellt – auch der herkömmliche Goldabbau nicht mit Ausbeutung gleichzusetzen sei. «Firmen, die an der Börse kotiert sind, haben gewisse Berichtspflichten. Auch ist es im Sinne der grossen Bergbauunternehmen, dass Standards eingehalten werden», so Menke. Aber natürlich gebe es schwarze Schafe. Um das meist im Gestein in Spuren vorkommende Gold herauszulösen, werden die Felsen zermahlen und in der Regel mit Kaliumzyanid zersetzt. «Auch Fair-Trade-Gold wird mithilfe giftiger Chemikalien gewonnen. Bei den meisten Vorkommen geht es gar nicht anders», sagt Goldschmied Eggimann. Allerdings würden hierbei Kaliumzyanid nur unter strengen Auflagen eingesetzt. Nur ökofaires Gold, mit dem beispielsweise er arbeitet, wird ohne jeglichen Einsatz von Chemie gewonnen.

Allerdings gibt es weltweit zu wenige Goldfundorte, die den Abbau nur mit Wasser erlauben. Somit wird ökofaires Gold immer ein Nischenprodukt bleiben und kann die grosse Nachfrage nicht decken.

Es gibt ein weiteres Problem bei Gold: Beim Grossteil des sich bereits im Umlauf befindlichen Edelmetalls lässt sich nicht mehr zurückverfolgen, aus welcher Quelle es ursprünglich stammt. «Es wird von Barren zu Schmuck verarbeitet, wieder eingeschmolzen, erneut verarbeitet, wieder eingeschmolzen und so fort», sagt Julius-Bär-Experte Carsten Menke.

Mit Silber und Kupfer legiert

Ein Brancheninsider, der nicht mit Namen genannt werden will, gibt einen weiteren Punkt zu bedenken. Ringe, Colliers oder Armbänder bestünden nicht aus dem gelben Metall allein. In der Schweiz etwa wäre Schmuck aus 18-karätigem Gold verbreitet, das unter anderem mit Silber und Kupfer legiert ist. «Unter welchen Bedingungen diese Metalle abgebaut worden sind, das interessiert keinen», so der Fachmann. Dabei könnten sie rein vom Volumen her bis zu 40 Prozent eines Schmuckstückes ausmachen.

Berner Zeitung

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