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«Herr Corazza soll meine Grossmutter in den Aldi fahren»

Reizthema Hochpreisinsel Schweiz: Die Äusserungen von Weko-Direktor Rafael Corazza provozieren unter den Leserinnen und Lesern von Redaktion Tamedia heftige Kommentare.

Für den Einkauf das Land zu wechseln, geht allenfalls für Schweizer, die an der Grenze wohnen: Zahlreiche -Leser reagieren auf die provozierenden Aussagen des Weko-Direktors Rafael Corazza.
Für den Einkauf das Land zu wechseln, geht allenfalls für Schweizer, die an der Grenze wohnen: Zahlreiche -Leser reagieren auf die provozierenden Aussagen des Weko-Direktors Rafael Corazza.
Keystone

Die Hochpreisinsel Schweiz erhält eine neue Dimension: Unter Dollar- und Euroschwäche hätten die Preise schon lange sinken müssen. Sie stagnieren aber oder steigen sogar leicht an. Was läuft schief? Die Konsumentenorganisationen müssten Druck machen, fordert Rafael Corazza, Direktor der eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko). Und die Konsumenten selber sollten aufhören, die überhöhten Preise «lammfromm» zu bezahlen. Sie hätten drei Möglichkeiten, sagt Corazza den Medien – «den Händler wechseln, die Marke wechseln, das Land wechseln».

Diese Ansicht ruft bei den Lesern auf Redaktion Tamedia zahlreiche Reaktionen hervor. «Sind Sie bescheuert, Herr Corazza?», fragt Leser Andy Konrad und fügt hinzu: «Damit die Weko nichts tun muss, sollen die Konsumenten ins Ausland einkaufen gehen?» Andere Leser verfallen in zynischen Ton. So Hans Meier: «Wozu soll ich den inländischen Handel berücksichtigen? Gehen wir doch alle einfach im Ausland einkaufen. Die paar Arbeitslosen mehr kann der Staat dann schon verkraften.» Oder Marc Meier: «Die meisten sehen das ganz falsch. Wir müssen die Steuern für die Importeure noch weiter senken, damit sie wettbewerbsfähig bleiben. Denn von tiefen Steuern profitieren ja alle.» Oder Leo Stern: «Ich werde meiner Grossmutter sagen, sie soll Herrn Corazza anrufen, damit er sie in den nächsten Aldi fahren kann, wo sie gemäss seiner Meinung nach billiger einkaufen kann. Sind ja nur anderthalb Stunden Fahrt vom Bergdorf runter.»

Stephan Burkhardt kehrt den Spiess um: «Leider bin ich trotz behördlicher Aufforderung im Ausland noch nicht fündig geworden, ob es einen besseren und für Schweizer billigeren Weko-Präsidenten gibt. Somit müssen wir leider weiterhin mit Selbstproduziertem vorliebnehmen.»

«Wer Nivea-Creme kauft, ist selber blöd»

Andere Leser geben Rafael Corazza recht. «Wir Konsumenten sind zu blauäugig, und wir haben das «Märte» verlernt», schreibt Pascal Fröhlich. Auch Christoph Schnyder ist dieser Ansicht: «Herr Corazza hat ganz recht. Solange wir Schweizer demonstrativ unseren Nationalstolz vor uns hertragen, im Coop einkaufen, mit Swisscom telefonieren, uns aber über die Geiz-ist-geil-Mentalität unserer nördlichen Nachbarn lustig machen und dann nörgeln, weil niemand die Preise senkt …»

Marc Schütz sieht das Problem in der «unheiligen Allianz zwischen SP, Grünen und SVP»: «Die SVP will den Bauernstand fürstlich subventionieren, die SP und Grünen sorgen mit Biofimmel und Handelshemmnissen wie Deklarationspflicht für hohe Preise. Das dritte Problem ist der Schweizer Konsument, der dazu erzogen ist, Schweizer Produkte zu bevorzugen.» Hans Schmid schreibt: «Es ist schon so, dass die Konsumenten teilweise selber schuld sind. Die Importeure und ausländischen Konzerne nutzen lediglich die hohe Zahlungsbereitschaft der Schweizer aus.» Und Michael B.: «Tönt hart, ist aber wahr! Handeln statt jammern ist angesagt. Wer heute noch Nivea-Creme zu diesen Preisen kauft, ist selber blöd.»

«Die Weko lügt»

Viele bezeichnen die Aussagen von Rafael Corazza als arrogant. So Gerhard Baumgartner: «Unglaublich, welche Arroganz da zum Ausdruck kommt.» Alfons Gellinger: «Es ist barer Unsinn und geradezu arrogant, vom Konsumenten solches zu verlangen und ihm sogar noch die Schuld zu geben. Er kann das Wissen über Kaufkraftabschöpfung und Preisstrategien, Parallelimporte, Währungseinflüsse usw. schlicht nicht haben.» Carlo Hirt missfällt der Tonfall: «Logisch, kann die Weko nicht einfach eingreifen. Aber dummes Zeug von sich geben beziehungsweise den Konsumenten beleidigen kann sich dieser Direktor sparen. Dafür wird er nicht bezahlt.»

Umstritten ist auch, ob die Weko alles in ihrer Macht Stehende unternimmt, um die Preise der Importgüter zu senken. «Die Weko lügt, wenn sie sagt, dass konkreten Fällen umgehend nachgegangen wird», teilt Hans Meier mit. «Ich habe selber mehrmals die Zeitschriften-Preise an Kiosken der deutschen Verlage gemeldet. Die Antwort war immer dieselbe: Wir können nichts machen.»

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