«I denk that is possibel»

Die CVP präsentiert ihrer Basis die vier Bundesratskandidaten. Die punkten ganz unterschiedlich.

CVP-Show: Hegglin, Schneider-Schneiter, Longchamp, Z’graggen, Amherd (v. l.). Foto: Peter Schneider (Keystone)

CVP-Show: Hegglin, Schneider-Schneiter, Longchamp, Z’graggen, Amherd (v. l.). Foto: Peter Schneider (Keystone)

Philipp Loser@philipploser

Viola Amherd war am besten auf Französisch. Elisabeth Schneider-Schneiter auf Italienisch. Heidi Z’graggen gab sich Mühe. Peter Hegglin eher nicht. 

Aber halt. Noch reden die vier Kandidaten für den CVP-Bundesratssitz gar nicht. Noch lange nicht. Moderator Claude Longchamp begrüsst die Anwesenden herzlich und ausdauernd. Er hat sich gut vorbereitet, vielleicht zu gut. «Talk im Bellevue: Die CVP-Kandidierenden für den Bundesrat stellen sich vor», hatte es auf der Einladung geheissen. Im «Salon d’Honneur» des Berner Hotels findet die Veranstaltung statt, rundumverspiegelt, Kronleuchter, viktorianischer Schnickschnack. Ein Ort, an dem man zur Not einen Kaiser krönen könnte.

Gehört halt heute dazu, irgendwie, und schuld daran ist die FDP. Die hat vor einem Jahr ihre drei Kandidaten für die Burkhalter-Ersatzwahl durch das Land kutschiert und das Ganze «Roadshow» genannt. Bundesratswahlen als PR-Show. Macht der Freisinn dieses Jahr wieder, wollte die CVP auch irgendwie. Aber nicht so. Wäre ja auch blöd, wenn man diese Ersatzwahlen gar nicht für Eigenpromotion nutzen würde. Das Resultat: vier Kandidaten in einem Prunksaal eines Nobelhotels, die sich Parteibasis und Medien vorstellen.

Vier Vorträge

Und damit: Bonjour les candidates! Viel ist schon über die vier geschrieben worden, wenig Nettes bisher. Zu blass, zu schwach, zu wenig Gerhard Pfister. Zu Beginn merkt man das den vier Kandidaten etwas an, vielleicht ist es Nervosität, vielleicht auch die Struktur des Abends. Vier Minuten dürfen sie sich in einem selbst gewählten Schwerpunktthema austoben und geben sich wacker Mühe. Viola Amherd redet über Mobilität und darüber, wie toll es sei, dass in Brig das SBB-Servicecenter stehe. Elisabeth Schneider-Schneiter redet über Aussenpolitik und schafft es in vier Minuten den Begriff Aussenpolitik mindestens zwanzigmal zu erwähnen. Heidi Z’graggen redet vom Nebelmeer in den Urner Alpen und davon, dass ihr Sprung nach Bern dem Sprung ins Nebelmeer gleiche. «Aber in der Schweiz landet man immer weich.» Peter Hegglin redet über Steuerpolitik und sagt Sätze wie diesen: «Die Disparitäten sind relevant für die Ausgleichszahlungen.»

Die vier Kandidaten brauchen einen Moment, um etwas lockerer zu werden. Je länger der Abend, desto besser. Fast schon amüsant wird es, als Longchamp die Sprachfähigkeiten der vier herausfordert. Einen Werbespot für die CVP-Initiative zur Senkung der Kosten im Krankheitsbereich sollen sie aufsagen, aber bitte nicht auf Deutsch. Sauberes Englisch von Schneider-Schneiter, beeindruckendes Französisch von Amherd und Z’graggen (mit leichten Vorteilen für die Walliserin), nur Hegglin sträubt sich und redet konsequent auf Deutsch. Aber wer weiss schon, was elektronisches Patientendossier auf Französisch heisst? Englisch geht leider auch nicht besser; «I denk that is possibel», beginnt Hegglin einen Satz einmal und macht dann lieber auf Deutsch weiter.

Damit geht die Veranstaltung zu Ende. Was davon bleibt? Wenig Inhaltliches. Ist Viola Amherd wirklich so links, wie die SVP meint? Spielt es eine Rolle, dass Elisabeth Schneider-Schneiter die erste reformierte Bundesrätin aus der CVP wäre? Gehört Heidi Z’graggen eher zum sozialen oder zum wirtschaftsfreundlichen Flügel der Partei? Und wohin steuert die CVP mit einem Bundesrat Peter Hegglin? Noch bleiben fünf Wochen, um diese Fragen zu beantworten. Dann wird gewählt. Das Rennen ist offen. All ist possibel.

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