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«Ich rieche schon die ersten Börsengänge»

Ein Vertrag mit dem Lebensmittel-Multi Nestlé hat der ETH Lausanne viel Kritik eingebracht. Nun verteidigt sich Präsident Patrick Aebischer – und skizziert seinen Traum von einem «Health Valley» am Genfersee.

Die EPFL setzt auf Kooperation: Präsident Patrick Aebischer (2. von links) mit Wirtschaftsvertretern vor einem Gebäude der Hochschule. (3. April 2014)
Die EPFL setzt auf Kooperation: Präsident Patrick Aebischer (2. von links) mit Wirtschaftsvertretern vor einem Gebäude der Hochschule. (3. April 2014)
Jean-Christophe Bott, Keystone

Der Präsident der ETH Lausanne (EPFL), Patrick Aebischer, träumt von einem «Health Valley» im Genferseebogen nach dem Vorbild des «Silicon Valley» mit den Universitäten Stanford oder Berkley als Ausgangspunkten. Dies sagte er in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung». Die EPFL verbinde sich bewusst mit der Wirtschaft.

«Meine Vision ist ein ‹Health Valley› am Arc lémanique», sagte Aebischer in dem Interview. In Stanford oder Berkley habe viel begonnen: Google ebenso wie die zum Basler Pharmakonzern Roche gehörende US-Biotechfirma Genentech. Aebischer schwebt ähnliches in der Westschweiz vor. «Und wir wollen, dass die Privatwirtschaft in dieses Konzept investiert.»

Von den 400 Lehrstühlen an der EPFL seien 33 Stiftungsprofessuren. Knapp zwei Drittel davon seien von der Privatwirtschaft finanziert, das letzte Drittel komme von Privatpersonen oder Stiftungen.

Kein Vetorecht für Sponsoren

Die Sponsoren hätten das Recht, im Nominierungsausschuss vertreten zu sein und «eventuell einen Kandidaten nicht zu finanzieren». Das sei aber noch nie passiert. «Es handelt sich nicht um ein Vetorecht.» Ein Stiftungsprofessor könne seine Patente beanspruchen und «hat stets die Freiheit, die Forschungsergebnisse zu veröffentlichen».

Die EPFL war jüngst unter Beschuss geraten wegen ihres Vertrags mit Nestlé für die zwei vom Nahrungsmittelkonzern finanzierten Lehrstühle. Der 2006 geschlossene Vertrag war von der Wochenzeitung «WOZ» veröffentlicht worden. Die «WOZ» hatte die Offenlegung unter Berufung auf das Öffentlichkeitsgesetz erzwungen.

Gemäss dem Dokument erhält die Nestlé-Tochter Nestec nicht nur Einsitz in die Berufungskommission für die Lehrstühle, sondern auch ein Veto-Recht.

Geschäftsgeheimnisse wahren

Aebischer verteidigte im Interview seine Weigerung, den Nestlé-Vertrag zu veröffentlichen. Er habe «ein Problem» mit dem Öffentlichkeitsprinzip. «Jetzt weiss jeder, in welchen Spezialgebieten Nestlé mit uns kooperiert, auch deren Konkurrenten.»

Er befürchte, dass eine Veröffentlichung der Verträge zwischen der Hochschule und Unternehmen letztere abschrecken könnte. «Deshalb weigere ich mich, die detaillierten Forschungsverträge offenzulegen. Das wäre unfair. Unternehmen müssen ihre Geschäftsgeheimnisse für sich behalten können.»

Seine «grosse Angst» sei, dass die Privatwirtschaft ansonsten nur noch eigene Forschung betreibe, die Hochschulen «die Bedingungen unattraktiv» machten. «Wenn wir die Privatwirtschaft verteufeln, müssen wir die Konsequenzen tragen.»

Ökosystem Wirtschaft

Aebischer verwies darauf, dass die Westschweiz derzeit das stärkste Wirtschaftswachstum verzeichne. Dieses sei von der Forschung getrieben. Eine der Aufgaben einer technischen Hochschule sei der «Technologietransfer in die Gesellschaft».

Die EPFL kreiere im Schnitt monatlich ein Startup-Unternehmen und ihr Science- und Innovationspark biete 1700 Arbeitsplätze. «Doch dieses Ökosystem gibt es nur, weil wir die Interaktion mit den Unternehmen aufgenommen haben, direkt mit den Firmen, indirekt mit den Startups – ich rieche schon die ersten Börsengänge.»

«Angelsächsisches Denken»

2012 seien über 100 Millionen Franken Risikokapital in die Startups geflossen. Das Geld komme vor allem von «unserem Netzwerk von Business-Angels». Einige Neugründungen würden auch mit Risikokapital aus den USA finanziert.

Aebischer offenbarte auch seine Bewunderung für das «angelsächsische Denken», das er in Kontinentaleuropa etwas vermisse. «Mein Traum war es immer, diese angelsächsische Philosophie an die EPFL zu bringen.»

Er kritisierte andere europäische Universitäten, die «Diplome am Laufmeter» ausstellten, deren Absolventen aber keine Arbeit fänden. Anders die EPFL: «Bei uns finden 95 Prozent unserer Absolventen innerhalb von sechs Monaten eine Arbeitsstelle.»

SDA/mw

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