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«Ich verstehe, dass man an Strommasten keine Freude hat»

Der beschlossene Atomausstieg hat grosse Auswirkungen auf das Stromnetz – es muss ausgebaut werden. Swissgrid-Chef Pierre-Alain Graf sagt, wie ein Blackout verhindert werden kann.

Das Stromnetz ist heute schon am Anschlag: Pierre-Alain Graf, CEO der Swissgrid, erklärt, wie der Ausbau so schnell wie möglich vorangetrieben werden kann.

Die 2009 gestartete Swissgrid kommt beim Aufbau der eigenen Strukturen voran. Bis Mitte Jahr sollen sämtliche Übertragungsnetze im Besitz der nationalen Netzgesellschaft sein. Mit Blick auf die Energiewende will sie bis 2013 eine neue Netzstrategie vorlegen.

Mit dem Vollzug der Netzübernahme übernehme Swissgrid ab Ende dieses Jahres auch die Verantwortung für die Instandhaltung, die Erneuerung und den Ausbau des Netzes, sagte Swissgrid-Chef Pierre- Alain Graf an der Jahresmedienkonferenz in Zürich. Damit werde Swissgrid auch bei der Umsetzung der Energiestrategie 2050 des Bundes eine bedeutende Rolle spielen.

Der von Bundesrat und Parlament beschlossene Atomausstieg habe grosse Auswirkungen auf das Stromnetz, betonte Graf. Damit die Energiewende gelinge, müsse die Schweiz massiv ins Stromnetz investieren. Für die Erneuerung und den Umbau der Netze budgetiert Swissgrid 4 bis 6 Milliarden Franken.

Das Netz bewege sich heute immer wieder an der Belastungsgrenze, sagte Graf. Allein 2011 habe es im Schweizer Netz 1235 Stunden Stau gegeben, was einer Drosselung der Stromproduktion gleichkomme. Höchste Priorität habe der Ausbau des Hochspannungsnetzes im Wallis, sonst sei es fraglich, ob die neuen Kraftwerke überhaupt in Betrieb genommen werden könnten.

Akzeptanz erhöhen

Bis 2013 will Swissgrid eine Strategie für den langfristigen Netzausbau entwickeln, in der unterschiedliche Szenarien der neuen Energiepolitik berücksichtigt sind. «Wir wollen den Bundesrat bei der Umsetzung der Energiestrategie unterstützen», betonte Graf. Der «fundamentale Umbau der Energielandschaft» funktioniere aber nicht ohne entsprechende politische Entscheide.

Die Bewilligungsverfahren müssten von 12 auf 4 Jahre verkürzt und effizienter gestaltet werden, ohne den Dialog zu verweigern. Bauentscheide dürften nicht durch endlose Beschwerdeverfahren blockiert werden. Zudem gelte es mit Blick auf die Mittelbeschaffung die Akzeptanz für den Netzausbau zu erhöhen.

Als weitere Herausforderungen nannte Graf die Integration von erneuerbaren Energien sowie die Erhöhung der Effizienz im System- und Netzbetrieb. Ziel von Swissgrid sei zudem die bessere Integration des Schweizer Stromnetzes in Europa.

Swissgrid habe in den vergangenen drei Jahren einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit der Schweiz geleistet, sagte Verwaltungsratspräsident Peter Grüschow. Obwohl die Situation im Netz angespannt sei, verfüge die Schweiz im europäischen Vergleich über eine sehr stabile Stromversorgung.

Weniger Gesamtleistung, mehr Gewinn

Die Gesamtleistung der Swissgrid sank im vergangenen Jahr von 886,9 Millionen auf 788,7 Millionen Franken. Der erwirtschaftete Ebit stieg dagegen um 8,7 Millionen auf 12,2 Millionen Franken.

Resultiert hat das bessere Ergebnis wegen besserer Marktbedingungen und tieferer Kosten. Durch den Bezug von Systemdienstleistungen (Reservestrom) im Ausland konnten die Beschaffungskosten von 272 Millionen im Vorjahr auf 187 Millionen Franken gesenkt werden.

Swissgrid ist einer der ersten Netzbetreiber in Europa, die Reservestrom aus dem Ausland beziehen. Verträge abgeschlossen wurden mit Frankreich und Deutschland.

SDA/bru

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