Immer mehr begleitete Suizide

Wenn Sterbehilfe in Anspruch genommen wird, ist oft eine Krebserkrankung vorhanden. Das zeigt die neuste Statistik.

Beihilfe zur Selbsttötung: Menschen wählen vermehrt diesen Weg. (Archiv)

Beihilfe zur Selbsttötung: Menschen wählen vermehrt diesen Weg. (Archiv)

(Bild: Keystone)

Im Jahr 2014 haben in der Schweiz 1029 Menschen Suizid begangen. Sterbehilfe haben 742 Personen aus der Schweiz in Anspruch genommen. Das zeigt ein Bericht des Bundesamtes für ­Statistik (BFS), der am Dienstag ver­öffentlicht wurde. Während die Suizidfälle zwischen 2010 und 2014 ungefähr stabil geblieben sind, hat die Zahl der assistierten Suizide zugenommen.

Dieser Anstieg ist teilweise durch die steigende Zahl alter Menschen zu erklären, wie die Auswertung des BFS zeigt.

Krankheit als Unterschied

Die Fälle von assistiertem Suizid – bei diesen werden etwa Organisationen wie Dignitas oder Exit beigezogen – unterscheiden sich von den Suizidfällen. Personen, die mit Suizidhilfe aus dem Leben schieden, litten in den allermeisten Fällen an einer schweren körperlichen Krankheit.

Eine Depression wurde nur bei 3 Prozent der Fälle genannt. Ganz anders sieht dies bei den Suizidfällen aus. Dort gab es laut dem BFS bei über der Hälfte der Todesursachenmeldungen keine Angaben zu einer Krankheit. Das könne bedeuten, dass die Person nicht krank oder aber dass die Krankheit nicht bekannt war.

Wenn eine Angabe vorlag, so wiesen 56 Prozent der Nennungen auf eine Depression hin, schreibt das BFS. Sterbehilfe­organisationen wie Exit begleiten nur in ganz seltenen Fällen Menschen mit psychischen Leiden in den Tod. Dafür brauche es sorgfältige Abklärungen und die Voraussetzungen seien hoch, hält Exit fest.

Laut Geschäftsführer Bernhard Sutter melden sich rund 400 Menschen jährlich mit einer psychischen Erkrankung bei Exit. Die Organisation berät und begleitet sie. Da Menschen mit einer Depression oft geholfen werden kann und zur Zeit der Krankheit die Urteilsfähigkeit nicht gegeben ist, kommt es in den allerwenigsten Fällen zu einer Freitodbegleitung.

Unterschiedliches Alter

Auch beim Alter gibt es Unterschiede zwischen den Suizid­fällen und den Fällen von Suizidhilfe. Ab Alter 75 gibt es mehr Fälle von assistiertem Suizid als von Suizid. Das zeigt die Auswertung der Jahre 2010 bis 2014 des BFS. Bei den Personen unter 75 Jahren ist es deutlich umgekehrt.

bw

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