Initianten kritisieren Studie des Bundes

Das Komitee der Volksinitiative «Grüne Wirtschaft» wirft seinen Gegnern vor, dass sie von falschen Annahmen ausgehen.

Der Schadstoffausstoss verschlechtert die Ökobilanz.

Der Schadstoffausstoss verschlechtert die Ökobilanz.

(Bild: Keystone)

Bernhard Kislig@berrkii

Die Initianten hofften auf einen Gegenvorschlag und hätten dafür ihr Volksbegehren zurückgezogen. Doch der Nationalrat wollte diesen Wunsch nicht erfüllen. Die bürgerliche Mehrheit war überzeugt, dass die Volksinitiative «Grüne Wirtschaft» an der Urne auch ohne Gegenvorschlag scheitert. Deshalb entscheidet am 25. September das Stimmvolk über die Vorlage, die einerseits den schweizerischen Umweltschutz ergänzen und andererseits ehrgeizige Vorgaben machen würde (siehe Box).

Nun legen die Initianten eine Studie zum ökologischen Fussabdruck der Schweiz vor. Dieser gibt an, wie viel Fläche der Erde nötig ist, um einen bestimmten Lebensstandard zu ermöglichen. Die Studie bestätigt einmal mehr, dass wir Schweizer auf viel zu grossem Fuss leben: Ganze drei Erden wären nötig, um für unseren Lebensstil weltweit genügend Ressourcen zur Verfügung stellen zu können. Die Studie schlüsselt nebst weiteren Resultaten auf, in welchen Sektoren der inländische Verbrauch am höchsten ist. Ganz vorn liegen Wohnen und Energie, gefolgt von Mobilität, Forstwirtschaft und Flugtransporten.

Reduktion um zwei Drittel

Bei einem Ja am 25. September muss der Ressourcenverbrauch der Schweizerinnen und Schweizer bis 2050 um zwei Erden oder zwei Drittel gesenkt werden. Ist das möglich? Eine andere Studie (Reff), die im Auftrag des Bundesamts für Umwelt erstellt worden ist, zieht unmissverständlich folgendes Fazit: Diese Vorlage ist nicht umsetzbar. Darauf stützen sich die Initiativgegner ab. In ihrer Abstimmungskampagne verwenden sie Bilder grüner Zwangsjacken, dazu den Text: «Teurer grüner Zwang. Nein.» Die Botschaft: Bei einem Ja werden sich die Konsumenten einschränken und auf vieles verzichten müssen.

SP-Nationalrat Beat Jans (BS) widerspricht und kritisiert die Reff-Studie: «Sie erfasst zum Beispiel vielerlei Emissionen, die bei der Umsetzung unserer Initiative gar keine Rolle spielen.» Die Studie, welche die Initianten selber in Auftrag gegeben haben, orientiert sich an international anerkannten Kriterien zur Messung des ökologischen Fussabdrucks. Tatsächlich führt das zu Unterschieden: In der Reff-Studie schlägt die Klimabelastung durch CO2 mit 19 Prozent zu Buche, bei der anderen Studie mit 73 Prozent. Geht man von 73 Prozent aus, könnte das Ziel der Initiative allein schon mit der Umsetzung des Pariser Übereinkommens zur CO2-Reduktion erreicht werden. 175 Staaten haben die Vereinbarung unterzeichnet. Doch auch dieses Ziel ist sportlich. Ob es politisch umgesetzt werden kann, ist noch offen.

Ein weiterer Mangel der Reff-Studie sei, dass sie den technologischen Fortschritt ungenügend berücksichtige, sagt Jans. «Bei technischen Verbesserungen gibt es ein gewaltiges Potenzial, Ressourcen schonender zu nutzen, ohne dass wir auf etwas verzichten müssen.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...