«Jedes Jahr eine Anpassung um ein oder zwei Monate»

Heute erklärte der Gewerbeverband, wie er Bundesrat Bersets «Altersvorsorge 2020» zu Fall bringen will. Und wie man das Rentensystem stattdessen reformieren sollte.

Sieht Altersarbeitslosigkeit nicht als Hindernis: SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler.

Sieht Altersarbeitslosigkeit nicht als Hindernis: SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler.

(Bild: Keystone)

Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) will Bundesrat Alain Bersets «Altersvorsorge 2020» bodigen und fordert stattdessen lediglich eine wirtschaftsfreundliche Rentenaltererhöhung. Er unterstreicht das Ansinnen mit dem drohenden Fachkräftemangel nach dem Ja zur SVP-Zuwanderungsinitiative.

Das Reformprojekt «Altersvorsorge 2020» will das Niveau der Altersrenten erhalten und die Finanzierung der Altersvorsorge sichern. Dafür sollen in einem Gesamtpaket die erste und die zweite Säule der Altersvorsorge gleichzeitig angepasst werden.

Warnung vor Wachstumseinbussen

Die zentralen Punkte des Pakets sind die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre, die Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge und eine Zusatzfinanzierung für die AHV über 1,5 Prozentpunkte bei der Mehrwertsteuer. Zudem will der Bundesrat den Koordinationsabzug bei der zweiten Säule abschaffen.

Der SGV lehnt das Reformpaket ab und warnt vor Milliardenkosten, Arbeitsplatzverlusten und Wachstumseinbussen. Wie der Gewerbeverband bereits in seiner Vernehmlassungsantwort zur Vorlage im März darlegte, will er zur Sanierung der Altersvorsorge und zur Bekämpfung des Fachkräftemangels das Rentenalter in kleinen Schritten anheben und jenes der Frauen an das der Männer angleichen.

Besser als grosse Schritte sei es, «jedes Jahr eine Anpassung um ein oder zwei Monate vorzunehmen», sagte SGV-Präsident und Nationalrat Jean-François Rime (SVP/FR) gemäss Redetext vor den Medien in Bern. Damit würde das Rentenalter etwa im Gleichschritt zur steigenden Lebenserwartung erhöht.

Ältere Arbeitnehmende gut integriert

Das Argument, dass die Wirtschaft nicht in der Lage sei, ältere Arbeitnehmende zu beschäftigen, lässt der SGV nicht gelten. «Ältere Arbeitnehmende sind in der Schweiz sehr gut im Erwerbsprozess integriert», erklärte SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler und präsentierte diverse Statistiken des Bundes und der Internationalen Arbeitsorganisation ILO.

Da eine Erhöhung des Rentenalters nicht isoliert beschlossen werden könne, schlägt der SGV flankierende Massnahmen vor: Aus- und Weiterbildungen sollen intensiviert, Vorurteile gegenüber älteren Arbeitnehmenden sollten abgebaut, flexible Arbeitszeitmodelle sollten gefördert und die Lohnpolitik flexibilisiert werden.

mw/sda

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