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Jetzt braucht es Kandidatinnen – am besten zweimal zwei

Der freie FDP-Bundesratssitz muss an eine Frau gehen. Und ebenso der CVP-Sitz, wenn Doris Leuthard zurücktritt.

Bessert sich das Klima, wenn hier mehr Frauen sitzen? Sitzungszimmer des Bundesrats. Foto: Gaetan Bally (Keystone)
Bessert sich das Klima, wenn hier mehr Frauen sitzen? Sitzungszimmer des Bundesrats. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Rücktritte eröffnen Chancen, und die Schweiz hat bewiesen, dass sie solche zu nutzen weiss. Bei der letzten Vakanz im Bundesrat wurde Ignazio Cassis (FDP) gewählt – womit es gelang, nach fast zwanzigjähriger Absenz die Italianità wieder in die Regierung zu integrieren. Es sind solche Gesten der Inklusion, die dieses Land im Innersten zusammenhalten.

Darum muss es nun auch beim anstehenden Rücktritt von Johann Schneider-Ammann (FDP) gehen. Nur zwei von sieben Regierungsmitgliedern sind Frauen. Es sollte der FDP Chance, Ehre und Verpflichtung sein, diesen Missstand zu korrigieren – und damit auch eigene Versäumnisse der Vergangenheit. Es war die FDP, die mit Elisabeth Kopp einst die erste Frau im Bundesrat stellte. Doch blieb die erste FDP-Bundesrätin die letzte; nachfolgende freisinnige Bewerberinnen wurden entweder verheizt oder nicht nominiert. Die Partei kann darauf nun kraftvoll antworten, indem sie für den Ersatz Schneider-Ammanns zwei Frauen aufstellt. Qualifizierte Kandidatinnen hat sie genug.

Wirklich historisch könnte die Wahl im Dezember werden, wenn auch Doris Leuthard (CVP) zurücktritt – und die CVP für ihre Nachfolge ebenfalls ein rein weibliches Wahlticket zusammenstellt. Viele ambitionierte Männer in der CVP mögen nun zwar darauf hoffen, dass ihnen die FDP das «Frauenproblem» vom Hals schafft. Sie gehen damit aber fehl, die CVP ist nicht aus der Pflicht. Angemessen ist die Frauenvertretung erst bei drei oder vier Bundesrätinnen. Eine Doppel-Ersatzwahl mit zweimal zwei offiziellen Kandidatinnen gab es noch nie; sie täte dem Land gut.

Mit dem Aufbau von Kandidaturen kann freilich erst begonnen werden, wenn Leuthard endlich Klarheit über ihre Zukunft schafft. Dass sie ihre Zeit bis Ende 2019 absitzt, davon gehen nur noch wenige aus. Dass es die Landesregierung aber einmal mehr nicht geschafft hat, einen Doppelrücktritt koordiniert einzuspuren und zu kommunizieren, spricht nicht für das Klima in diesem Gremium. Vielleicht bessert sich ja auch das, wenn dort mehr Frauen sitzen.

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