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Jugendliche Schläger auf dem Rückzug

Jahrelang sorgte sie für Schlagzeilen. Neue Zahlen aus einigen Kantonen zeigen nun einen starken Rückgang der Jugendgewalt. Experten rätseln über die Gründe.

Weniger Verfahren wegen Gewalttaten Jugendlicher: Gestellte Szene einer Schlägerei.
Weniger Verfahren wegen Gewalttaten Jugendlicher: Gestellte Szene einer Schlägerei.
Keystone

Neue Zahlen aus den Kantonen Bern, Freiburg und Solothurn zeigen, dass die Jugendkriminalität in der Schweiz zurückgeht. Der Kanton Bern vermeldet einen besonders starken Rückgang der Gewaltdelikte: Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Fälle von vorsätzlicher Körperverletzung um 48 Prozent zurück. Die Anzahl der Raubüberfälle gar um 83 Prozent. Das bestätigt der leitende Berner Jugendanwalt Christoph Burkhard gegenüber der Sendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens.

In den Kantonen Bern, Freiburg und Solothurn wurden 2011 deutlich weniger Strafverfahren gegen Jugendliche eröffnet als in den Vorjahren. 2009 waren es noch 8984 Verfahren. 2010 sank die Zahl auf 7866, 2011 auf noch 6118.

Rückgang möglicherweise schweizweit

Laut Jugendanwalt Christoph Burkhard meldeten Berufskollegen aus anderen Kantonen, dieser starke Abwärtstrend sei auch bei ihnen feststellbar. So sind auch im Kanton Zürich die Gewaltdelikte Jugendlicher in den letzten zwei Jahren um 30 Prozent zurückgegangen, berichtet «10vor10».

Im Kanton Bern sinkt laut Burkhard zum einen die Gesamtzahl der Strafverfahren. Besonders massiv sei der Rückgang aber bei den Gewaltdelikten. Im Kanton Bern gab es 2010 gegen Jugendliche 96 Verfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung. 2011 waren es nur noch 50. Auch die Verfahren wegen Tätlichkeiten sanken von 128 auf 68. Besonders massiv ist der Rückgang aber bei den Raubüberfällen: Hier sank die Anzahl von 87 auf nur noch 15.

Experten uneins über Gründe

Christoph Burkhard vermutet, dass die gesellschaftliche Ablehnung von Jugendgewalt ein Grund für den starken Rückgang sein könnte. Jugendheimleiter Hans Peter Neuenschwander glaubt, die zahlreichen Präventionsmassnahmen der letzten Jahre trügen nun Früchte.

Der Zürcher Kriminologe Martin Killias, der seit Jahren vor einer Zunahme der Jugendkriminalität warnt, sagt zweierlei. Einerseits meint er zu den neuen Zahlen: «Die Kriminalität nimmt einmal zu, einmal ab. Das hat viel mit gesellschaftlichen Prozessen zu tun». Die Trendwende zeige, dass die Gesellschaft heute offensichtlich besser in der Lage sei, Jugendliche zu integrieren als noch vor ein paar Jahren.

Andererseits sieht Killias einen Zusammenhang mit der Anzahl Jugendlicher mit Migrationshintergrund. Diese habe in den letzten Jahren um 40 Prozent abgenommen. Viele der jungen Menschen, die in den 90er-Jahren in die Schweiz gekommen waren, entwüchsen nun dem Jugendalter. «Und ihre jüngeren Brüder bauen viel weniger Mist», sagt Killias.

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