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«Keine Gleichberechtigung, sondern Sexismus pur»

Micheline Calmy-Reys Gleichstellungspolitik beim diplomatischen Personal stösst bei den Redaktion Tamedia-Lesern auf Kritik.

Provozierender Schachzug: Aussenministerin Micheline Calmy-Rey.
Provozierender Schachzug: Aussenministerin Micheline Calmy-Rey.
Keystone

Mit der positiven Diskriminierung dreier angehender Diplomatinnen verärgert Bundesrätin Micheline Calmy-Rey ihre Mitarbeiter sowie Parlamentarier. Die Aussenministerin hatte den Entscheid der Zulassungskommission für den diplomatischen Dienst umgangen und im Schnellverfahren drei zusätzliche Frauen zum Einführungskurs zugelassen. Schon 2006 provozierte sie mit ihrer Personalpolitik im diplomatischen Corps, als sie sechs von der Kommission vorgeschlagene Männer zurückwies, um die zahlenmässige Vertretung der Frauen zu stärken.

Dieses Vorgehen stösst auch bei der Redaktion Tamedia-Leserschaft mehrheitlich auf Kritik. «Das ist keine Gleichberechtigung, das ist Sexismus pur», schreibt eine Leserin. Ein Leser fragt, ob Calmy-Rey gesetzeskonform handle. «Sie scheint sich ihr eigenes Reich aufgebaut zu haben, solche Volksvertreter handeln nicht mehr nach den Interessen ihrer Untertanen.»

Vetternwirtschaft und Bananenrepublik

«Calmy-Rey hat doch schon immer gemacht, was sie wollte, niemand konnte sie bis anhin stoppen (sie ist ja schliesslich Frau, Welsche und SP)», schreibt ein Leser. Und eine Leserin doppelt nach: «Seit wann hält sich Micheline Calmy-Rey an Regeln und Gesetze? Frauenquoten dürfen niemals als Kompensation für einen Leistungsausweis missbraucht werden.»

Zahlreiche Leser kritisieren, dass Calmy-Rey mit ihrem regelwidrigen Vorgehen Vetternwirtschaft betreibe und die Schweiz zur Bananenrepublik mache. Manche geben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass sie im Herbst nicht mehr zur Wahl antritt oder nicht wiedergewählt wird. «Es reicht wirklich mit diesen egoistischen Entscheiden von Micheline Calmy-Rey. Ich bin weder SVP- noch FDP-Mitglied, aber ich habe echt genug von ihr und ihren Selbstdarstellungstrips. Hoffentlich tritt sie Ende Jahr zurück.»

Männerdomäne Diplomatie

Vielleicht seien solche Aktionen schuld daran, dass Calmy-Rey die «unbeliebteste Bundesrätin» und die SP im Popularitätstief sei, mutmasst ein Leser. Er nennt die Aktion «dumm und diskriminierend». Ob diskriminierend oder nicht, darüber dreht sich die Diskussion im Kreis. Eine Leserin bezeichnet die Diplomatie als Alt-Männerdomäne, in die sie als Frau nicht hingelangen wolle, weil sie hübsch anzuschauen sei. Dasselbe gelte fürs Parlament.

«Weshalb sollen jetzt alte Männer Schuld sein, wenn es im Parlament zu wenige Frauen hat?», entgegnet ein Leser. Er fordert von den Frauen mehr politisches Engagement statt «Gejammer und Quotenforderungen»: Sie sollen vermehrt wählen, kandidieren und sich als Diplomatinnen bewerben.

«Als Mann finde ich, dass Calmy-Rey Recht hat»

Vereinzelt erhält Calmy-Rey auch Zuspruch: «Frauen kriegen Kinder und ich bin sicher, dass etliche in der Kommission, ob bewusst oder unbewusst, diese Tatsache gegen die Frauen rechnen. Als Mann finde ich, dass Calmy-Rey Recht hat.» Ein weiterer Leser schreibt: «Was ist denn so schlimm daran, wenn eine Bunderätin kraft ihres Amts Gleichstellung herstellt? Erst wenn man sich an Frauen in Spitzenpositionen gewöhnt hat, fängt an der Basis das Umdenken an.»

Sie sei froh, wenn Bundesratsmitglieder gleichstellungspolitische Weichen stellten, schreibt eine Leserin. «Was, wenn die Kommission selbst bemerkt hätte, dass für die Gleichberechtigung im diplomatischen Dienst die Frauenquote angehoben werden muss?» Calmy-Rey habe der Kommission erfolglos versucht, auf die Sprünge zu helfen.

«Was soll das Geheule?»

«Natürlich ist eine Quotenregelung notwendig», schreibt ein Leser, es könne nicht sein, dass die Karriere der Frauen im Vorzimmer der Macht endet. Eine andere schreibt: «Dieser Schachzug von Frau Calmy-Rey wird die Frauen bestärken, sich in diesem Metier berechtigte Chancen für einen Job auszumalen, so wird es künftig mehr Kandidatinnen geben. Und was soll das ganze Geheule? Wie oft wurden und werden Frauen bei der Jobvergabe zurückgestellt und kein Schwein kümmert es?»

Noch weiter geht eine Leserin, die nach Jahren Vetterli- nun auch mal der «Mütterliwirtschaft» den Vorzug geben will und es interessant fände, «den Männern für einige Jahrzehnte das Stimmrecht zu entziehen – so als Ausgleich». Nicht weniger ausgefallen ist die Reaktion eines Lesers: «Ich wäre dafür, den Frauen im Bundesrat das Stimmrecht wieder zu entziehen. Solche Provokationen sind notwendig, damit sich etwas bewegt.»

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