Krankenkassen zweifeln am Tarifeingriff

Fällt die bevorstehende Prämienrunde doch heftiger aus als ­erhofft? Ein Teil der Krankenkassen will sich Bundesrat Alain Berset widersetzen.

Die Krankenkassen sind skeptisch, ob der Eingriff ins Tarifsystem den gewünschten Effekt bringen wird (Symbolbild).

Die Krankenkassen sind skeptisch, ob der Eingriff ins Tarifsystem den gewünschten Effekt bringen wird (Symbolbild).

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

2018 steigen die Prämien voraussichtlich «nur» um 2,5 bis 3,5 ­Prozent. Diese vage Hoffnung besteht seit letztem Mittwoch. An diesem Tag gab Gesundheitsminister Alain Berset (SP) bekannt, dass der Bundesrat einen Eingriff in den ambulanten Tarif Tarmed vornimmt, mit dem die Grundversicherung schon ab 2018 rund 470 Millionen Franken sparen werde.

Diese Entlastung muss aus Bersets Sicht die anstehende Prämienrunde um 1,5 Prozentpunkte ­abmildern. Dieser Einschätzung schloss sich auch der Krankenkassenverband Curafutura an.

Doch am Freitag meldete sich der andere, grössere Versicherungsverband zu Wort: Santésuisse warnt die Versicherten davor, sich falsche Hoffnungen zu machen. Der Verband, dem unter ­anderem die Visana und die Groupe-Mutuel-Kassen angehören, bezweifelt, dass die Kostensenkung wirklich so gross ausfällt wie von Bersets Experten prognostiziert.

Verpuffen die Bemühungen?

Santésuisse begründet die Skepsis mit den Erfahrungen nach dem letzten Tarifeingriff des Bundesrats: Damals hätten betroffene Ärzte und Spitäler die Mindereinnahmen mit einer Mengenausweitung – der Behandlung zusätzlicher Fälle – kompensiert.

Wegen dieser Unsicherheiten sind die Santésuisse-Kassen nicht bereit, die Einsparung ­bereits in die Prämien für 2018 einzukalkulieren. Sie wollen dies erst mit den Prämien 2019 nachholen, wenn klarer ist, wie gross die finanziellen Folgen des Tarifeingriffs wirklich sind. Andernfalls drohe 2019 ein speziell heftiger Prämienanstieg, falls die Entlastung ausbleibt.

Das würde bedeuten, dass die Santésuisse-Kassen ­ihre Prämien 2018 um 1,5 Prozentpunkte höher ansetzen, als der Bund dies für notwendig hält. Ihr Verband betont, die Versicherer müssten die unternehmerische Verantwortung tragen. Diese könne ihnen der Bundesrat nicht abnehmen. Allerdings kann Bersets Bundesamt für Gesundheit die Kassen verpflichten, die Prämien zu senken, falls sie aus seiner Sicht zu hoch sind.

Je nachdem wird sich der Bundesrat also nicht nur mit Ärzten und Spitälern anlegen, sondern auch mit einem Teil der Krankenkassen.

Berner Zeitung

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