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Letzter Weibel-Vertrauter tritt ab

In der SBB-Chefetage kommt es erneut zu einem Abgang: Paul Blumenthal, Leiter der Division Personenverkehr, tritt aus gesundheitlichen Gründen ab. Er ist das letzte Konzernleitungsmitglied aus der Ära Weibel.

Ein SBB-Urgestein: Paul Blumenthal muss die Führung des Bereichs SBB Personenverkehr wegen Krankheit abgeben.
Ein SBB-Urgestein: Paul Blumenthal muss die Führung des Bereichs SBB Personenverkehr wegen Krankheit abgeben.
Keystone

Der Abgang von Paul Blumenthal als Leiter der Division Personenverkehr kommt nicht überraschend. Der 1955 geborene Walliser, der seine gesamte Karriere bei der SBB absolviert hat, hatte Ende Januar einen Zusammenbruch und musste hospitalisiert werden. Die Ärzte diagnostizierten einen gutartigen Gehirntumor und operierten ihn im Februar. Nach seiner «völligen gesundheitlichen Genesung» – wie die SBB schreibt – hat er kürzlich seine Arbeit wieder aufgenommen.Neue HerausforderungTrotzdem hat er sich entschieden, als Leiter Personenverkehr und Mitglied der Konzernleitung zurückzutreten: «Meine wiedergewonnene Gesundheit gibt mir die Möglichkeit, mir einen alten Wunsch zu erfüllen: Nach 29 Jahren operativer Verantwortung bei der SBB habe ich mich entschieden, eine neue Herausforderung als selbstständiger Unternehmer anzupacken», lässt sich Blumenthal in der Medienmitteilung zitieren.Konkurrent von MeyerBlumenthal leitete die Division Personenverkehr seit 1999. Höhepunkte seiner Tätigkeit waren die Einführung von Bahn 2000 und die fahrplanmässige Integration des Lötschberg-Basistunnels. Dank seines Leistungsausweises galt er im Jahr 2006 beim Rücktritt von SBB-Chef Benedikt Weibel auch als möglicher Kandidat für dessen Nachfolge. Als ihm dann der SBB-Externe Andreas Meyer vorgezogen wurde, stellten sich viele SBB-Kenner die Frage, wie gut die Zusammenarbeit der beiden sein würde.In der Klausur mit MeyerTatsächlich kam es in der Anfangsphase zwischen den beiden zu Unstimmigkeiten. In der Folge zogen sie sich zu einer dreitägigen Klausur in ein Kloster zurück. Diese zeigte offenbar Wirkung. Insider berichten, dass Blumenthal und Meyer seither gut zusammenarbeiteten. Meinungsverschiedenheiten zwischen diesen beiden Managern dürften deshalb laut SBB-Kennern kaum der ausschlaggebende Grund für den Abgang gewesen sein.Die ModalitätenBlumenthal tritt offiziell per Ende September von seinen Funktionen zurück. Die Division wird jedoch wie bereits seit Ende Januar bis auf weiteres von Vincent Ducrot interimistisch geführt.Nach Ende September beginnt für Blumenthal die einjährige Kündigungsfrist zu laufen, in welcher er weiterhin seinen Lohn bezieht. Dabei wird er der SBB für Verwaltungsrats- und Beratungsmandate – zum Beispiel bei den SBB-Tochterfirmen Railaway oder Elvetino – weiterhin zur Verfügung stehen. Daneben will sich Blumenthal «schrittweise auf seine neue Berufsperspektive als unabhängiger Unternehmer und Berater in den Bereichen Bahn- und Verkehrswesen, Tourismus und Marketing konzentrieren». Laut SBB-Sprecher Reto Kormann wird das Bahnunternehmen mit Blumenthal eine Vereinbarung über die zukünftigen Mandate ausarbeiten. Die Suche nach dem definitiven Nachfolger für Blumenthal ist bereits angelaufen – mit der Hilfe von externen Headhuntern. Laut SBB kommen sowohl interne wie externe Kandidaten in Frage.Geschäftsleitung erneuertNach dem Abgang von Blumenthal wird die Konzernleitung im Vergleich zum Amtsantritt von SBB-Chef Andreas Meyer von Anfang 2007 völlig neu besetzt sein. Im Sommer 2007 musste Cargo-Chef Daniel Nordmann sein Pult räumen, er wurde ersetzt durch Nicolas Perrin. Im Oktober des gleichen Jahres übernahm Markus Jordi als Nachfolger von Hannes Wittwer die Funktion des Personalchefs. Im vergangenen Jahr ersetzte Georg Radon den Finanzchef Claude Alain Dulex. Ebenfalls im 2008 kam es zum abrupten Abgang von Infrastrukturchef Hansjörg Hess, an dessen Stelle Philippe Gauderon trat. Unstimmigkeiten zwischen Meyer und Hess waren der Grund dafür. Schliesslich gehört Immobilienchef Urs Schlegel seit Anfang 2009 neu der Konzernleitung an.Meyer führt die SBB mit einem anderen Stil als sein Vorgänger Weibel: Er vertraut mehr auf Berater als auf seinen Instinkt, pocht auf die Erarbeitung eines umfangreichen Zahlenmaterials und gibt sich nicht schnell zufrieden. Und bald werden in der Konzernleitung nur noch Manager seiner Wahl sitzen.

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