Männer raus!

Der Basler Künstler Christian Mueller will mit einer Initiative kriminelle Schweizer ausschaffen. Und meint das zumindest halbernst.

Bezeichnet sich als «eidg. dipl. Künstler»: Christian Mueller.

Bezeichnet sich als «eidg. dipl. Künstler»: Christian Mueller.

Philipp Loser@philipploser

Manchmal genügt für etwas Aufsehen ein Kurzbefehl im Schreibprogramm des Computers. Suchen: Ausländerinnen und Ausländer. Ersetzen durch: Männer. Fertig war die Volksinitiative zur «Zur Ausschaffung krimineller Männer», die im Bundesblatt veröffentlicht wurde und für die nun offiziell Unterschriften gesammelt werden dürfen. Wer hier eine Straftat begeht, der soll ausgewiesen werden – auch wenn er Schweizer ist.

Der Mann hinter dem Computer war Christian Mueller (er besteht auf dem ue, als Alleinstellungsmerkmal), ein Künstler aus Kleinbasel. Mueller hat sich ob der Annahme der Ausschaffungs- und Durchsetzungsinitiative der SVP grausam aufgeregt. «Nicht die Ausländer sind das Problem, sondern die Männer!» Auf seiner Website dokumentiert er das mit der Schweizer Kriminalstatistik aus dem Jahr 2013. Anteil männlicher Täter bei Gewaltstraftaten: 82 Prozent. Bei Tötungsdelikten mit einer Schusswaffe: 100 Prozent. Bei Vergewaltigungen: 99,5 Prozent.

Alles Männer – und die gehören raus. Der Deliktkatalog, der für eine Ausweisung zur Anwendung käme, ist der gleiche wie in der Durchsetzungsinitiative der SVP. Einzige Ausnahme sind Drogendelikte. Denn: «Drogen gehören legalisiert.»

Sogar Deutschland berichtete

Die Veröffentlichung im Bundesblatt hat für einigen Wirbel gesorgt. Sogar die deutsche «Welt» berichtete über die neueste Schweizer Initiatividee; die User kommentierten fleissig. Das sei genau der Sinn, sagt Mueller, der seine Aktion nicht im wörtlichen Sinn ernst nimmt – aber eine Botschaft platzieren möchte. «Wir wollen ein Zeichen setzen gegen den latenten Rassismus in der Schweiz, der von der SVP geschürt wird, um von den wahren Problemen abzulenken.» Man wolle eine Diskussion lancieren über die Demokratie, über Rechtsstaatlichkeit, über Rassismus. Über Fragen wie folgende: «Wie demokratisch ist es, wenn Parteien Initiativen ergreifen, von denen sie genau wissen, dass sie nicht umsetzbar sind?»

Mueller fällt nicht zum ersten Mal mit politischen Guerilla-Aktionen auf. Seit zwei Jahren gibt der 33-Jährige das politische Störgeräusch in der behäbigen Basler Politiklandschaft. Als Spitzenkandidat seiner Partei «Freistaat Unteres Kleinbasel (F-U-K)» kandidierte er erfolglos für die Regierung. Nach der Annahme der Zuwanderungsinitiative forderte er die Loslösung der Region Basel von der «rassistischen Restschweiz»: «Zu lange schon wird in weltoffenen Städten das Einkommen der weltfremden Landbevölkerung erarbeitet.

«Werde es wie die SVP machen»

Mueller, der sich «eidg. dipl. Künstler» nennt, freischaffender Theaterpädagoge ist und bis vor kurzem als Kassier in einem Sexkino gearbeitet hat, kann aber auch lustvoll. Die Idee von F-U-K, von der Johanniterbrücke eine Rutsche in den Rhein zu bauen, wurde in der Stadt ernsthaft diskutiert. Genügend Unterschriften für eine Abstimmung kamen dennoch nicht zusammen.

So wird es wohl auch dieses Mal sein. Aber falls doch? Wohin mit all den kriminellen Schweizern? «Da mach ich es wie die SVP: Das Problem soll das Parlament lösen», sagt Mueller. Eine Idee hätte er allerdings schon. Sollte sich das untere Kleinbasel bis zur Umsetzung seiner Initiative als Freistaat von der Schweiz losgelöst haben, da werde man sicher ein Kontingent von kriminellen Männern bei sich aufnehmen.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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