Zum Hauptinhalt springen

Malaysia will sein Drogenproblem mit Hilfe der Schweiz lösen

Ursprünglich wollte Malaysia bis ins Jahr 2015 komplett drogenfrei sein. Dieses ehrgeizige Vorhaben hat die Regierung inzwischen begraben und holt sich für die Drogenpolitik neue Inspiration in Zürich.

Mit Drogenkonsumenten geht Malaysia hart ins Gericht: Polizisten präsentieren einen Drogenfund am Flughafen in Kuala Lumpur. (28. Dezember 2011)
Mit Drogenkonsumenten geht Malaysia hart ins Gericht: Polizisten präsentieren einen Drogenfund am Flughafen in Kuala Lumpur. (28. Dezember 2011)
Keystone

Ein drogenfreies Malaysia bis 2015 war bis anhin erklärtes Ziel der Regierung. Neu setzt sie jedoch auf Schadensminderung. Deshalb hat sie eine Delegation nach Berlin und Zürich entsandt, um dort Anregungen für eine künftige malaysische Drogenpolitik zu erhalten.

Die Delegation besteht aus Vertretern der Polizei und des Malaysian Aids Councils (MAC), einer von der Regierung beauftragten Anti-Aids-Dachorganisation. Sie soll ihrer Regierung einen auf den gesammelten Erkenntnissen basierenden Vorschlag für die künftige Drogenpolitik Malaysias unterbreiten.

Pionierprogramm in der Drogenpolitik

In Zürich erhält die Delegation Informationen am Donnerstag und Freitag. Zusammengestellt hat das zweitägige Programm die Arud (Arbeitsgemeinschaft für einen risikoarmen Umgang mit Drogen). Sie hat als Pionierin vor 20 Jahren eine der ersten öffentlich zugänglichen Methadon-Abgabestellen in Europa eröffnet.

Mittlerweile betreibt die Arud drei Zentren in der Stadt Zürich und eines in Horgen ZH. Alle vier bieten Beratung und Behandlung bei Problemen mit sämtlichen Substanzen an.

Patienten erhalten medizinische, psychiatrisch- psychotherapeutische und sozialarbeiterische Unterstützung. Auch Substitutionsbehandlungen (Methadon, Morphin) sind in allen Zentren möglich.

Im Vordergrund stehen immer die Gesundheit und die Lebensqualität des Hilfe suchenden Menschen, wie Herbert Bosshart, ärztlicher Leiter des Zentrums Zürich Aussersihl, am Donnerstag sagte. «Einen Entzug sehen wir als mögliches Ziel, sofern die Voraussetzungen gegeben sind.»

Interesse an Viersäulenprinzip

Die malaysische Drogenpolitik strebt hingegen den Entzug an. Sie sieht Sucht als ein soziales Übel. Drogenhändler werden zum Tode verurteilt. Der Besitz von kleinen Mengen illegaler Drogen wird mit Prügeln und Gefängnis bestraft.

Statt ins Gefängnis kann ein Drogenkonsument auch in eine geschlossene Rehabilitationsklinik eingewiesen werden. Darüber entscheidet nicht ein Arzt, sondern ein Richter. Eine ambulante Therapie ist nicht möglich. Psychiater werden nicht in die Therapie einbezogen.

Wer sich freiwillig einer Therapie unterziehen will und somit seine Sucht eingesteht, wird zwar nicht automatisch kriminalisiert, muss aber ebenfalls in eine Rehabilitationsklinik. Allerdings kann er sie - im Gegensatz zu den Verurteilten - jederzeit verlassen.

Mit diesen Massnahmen verfolgte die Regierung das Ziel eines drogenfreien Malaysia bis 2015. Die stetig steigende Zahl von HIV- Infektionen insbesondere unter injizierenden Drogenkonsumenten, liess die Regierung umdenken.

Besonders interessiert sie sich für das in Deutschland und der Schweiz angewandte Viersäulenprinzip (Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression). Deshalb bewilligte sie die Studienreise der Delegation.

Ausser den Arud-Fachleuten trifft die Delegation auch Vertreter der Polizei, des Sozialdepartementes, der Suchtforschung und des kriminologischen Instituts der Universität Zürich.

Marianne Koller, sda

SDA/mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch