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«Man sollte über den gedankenlosen Konsum von Frauen diskutieren»

Eine Studie ortet die Ursachen für die Ausbeutung auf dem Zürcher Strassenstrich in Ungarn. Das sei scheinheilig – die Gründe lägen bei der Nachfrage und der laschen Gesetzgebung, kontert Ungarns Sozialminister.

«Heucheleien auf beiden Seiten»: Eine Prostituierte bietet sich am Zürcher Sihlquai an. (Archivbild)
«Heucheleien auf beiden Seiten»: Eine Prostituierte bietet sich am Zürcher Sihlquai an. (Archivbild)
Keystone

Laut einer Studie sind die Zustände auf dem Zürcher Strassenstrich, der von ungarischen Roma beherrscht wird, bedenklich. Ungarns Sozialminister Zoltán Balog stellt in einem Interview zu der Studie in der «NZZ am Sonntag» fest, dass es in der Schweiz und in Ungarn Heucheleien gebe.

Um mehr über die Frauen zu erfahren, die sich am Sihlquai in Zürich anbieten, befragte die Stadt Zürich zusammen mit ungarischen Nichtregierungsorganisationen zwischen Mai und Juli 120 Prostituierte in Ungarn und Zürich. Die Ungarinnen stammen fast alle aus sehr ärmlichen Gebieten im Osten des Landes.

Problem wird ignoriert

Es sei scheinheilig, die Wurzeln des Problems allein in Ungarn zu suchen, sagt Balog im Interview. Die Hauptursachen dafür, dass Roma nach Zürich kämen, um sich zu prostituieren, seien die finanzkräftige Nachfrage und die Tatsache, dass die Schweizer Gesetze so liberal seien.

«Mein Eindruck ist, dass über das Verhalten der Freier selten gesprochen wird», sagte Balog zur Situation in der Schweiz. «Man sollte über diesen gedankenlosen Konsum von Frauen öffentlich diskutieren.» Aber wer so etwas verlange, werde schnell als «schlimmer Moralist» hingestellt.

In Ungarn sei Prostitution im Gegensatz zu vor der Wende heute legal. Doch es werde überhaupt nicht darüber gesprochen. «Wir beginnen erst damit, Regeln für den Umgang mit dem Sexgewerbe zu definieren. Ein Grossteil der Ungarn sähe es wohl gerne, wenn man das Problem einfach ignorieren könnte.»

Gewalt und Beschimpfungen alltäglich

Die Studie war Mitte Oktober in Budapest vorgestellt worden. Es gehe darum, die Lebensbedingungen der Frauen in deren Heimat zu verbessern, lautete die Begründung des Sozialdepartements.

Laut Studie bedienen die Prostituierten – knapp die Hälfte von ihnen begann vor dem 20. Lebensjahr mit der Prostitution – durchschnittlich sechs Freier pro Nacht und müssen für ihre Zimmer horrende Preise bezahlen. Beschimpfungen, Belästigungen, Drohungen, Gewalt und Konkurrenz unter den Prostituierten sind auf dem Strassenstrich alltäglich.

(SDA)

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