Mit dem Ausland gegen den Wolf

Das Departement von Bundesrätin Doris Leuthard beantragt demnächst in Strassburg, den Schutzstatus des Wolfs zu lockern. Druck bauen auch Deutschland und Regionen wie Südtirol auf.

Vom Jäger zum Gejagten: Dem Wolf gehts ans Fell. Bild: Pierre Huguet-Dubief (Biosphoto)

Vom Jäger zum Gejagten: Dem Wolf gehts ans Fell. Bild: Pierre Huguet-Dubief (Biosphoto)

Stefan Häne@stefan_haene

Mitte Juli dürfte es so weit sein. Das Uvek, das Departement von Doris Leuthard (CVP), wird auf diesen Zeitpunkt hin beim Europarat in Strassburg darum ersuchen, den Status des Wolfs von «streng geschützt» auf «geschützt» herunterzustufen. Bei Annahme des Antrags würde eine Änderung der Berner Konvention nötig – jenes völkerrechtlichen Übereinkommens über den Artenschutz in Europa, welches das Schweizer Parlament vor bald 40 Jahren genehmigt hat. 50 Staaten und die EU sind auch Mitglieder der Konvention.

Heute ist die Jagd auf den Wolf im Grundsatz verboten, Abschüsse sind nur in Ausnahmefällen erlaubt. Wäre der Wolf nur noch «geschützt», würde er neu zu jenen Tieren gehören, die von Gesetzes wegen für jagdbar erklärt werden können, er wäre also gleichgestellt etwa mit Steinbock und Murmeltier.

Wolfsbestände künftig regulieren

Der Uvek-Antrag entspricht nicht nur dem Willen des Bundesrats, sondern setzt auch eine Forderung der vorberatenden Umweltkommission des Ständerats um. Der Druck kommt nicht von ungefähr. Heute ist im Ständerat die Debatte über die Teilrevision des Jagd­gesetzes traktandiert. Der Bundesrat will mit der Vorlage die Grundlagen schaffen, um in Zukunft Wolfsbestände regulieren zu können, bevor grosse Konflikte entstehen.

Der Vorschlag des Bundesrats steht nicht im Widerspruch zur Berner Konvention, wie Reinhard Schnidrig vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) festhält. Sollten der Ständerat und später der Nationalrat den Wolfsschutz weiter lockern, kann sich die Frage der Vereinbarkeit aber sehr wohl stellen. Verletzt würde die Berner Konvention nach Einschätzung Schnidrigs etwa, wenn der Wolf ganzjährig bejagbar wäre.

Bürgerliche gehen noch weiter

So weit gehen die vorliegenden Anträge nicht. Im Parlament gibt es aber im bürgerlichen Lager starke Kräfte, die den Wolfsschutz weiter abbauen wollen. So etwa will die vorberatende Ständeratskommission die Regulationszeit ausdehnen, vom 1. September bis zum 31. März – statt wie vom Bundesrat vorgeschlagen vom 16. September bis zum 31. Januar. Die Umweltverbände sind alarmiert. Sollte das Parlament das Gesetz nicht zugunsten des Wolfes verbessern, werden sie das Referendum ergreifen, wie sie gestern angekündigt haben.

Setzt sich die Politik der Schutzlockerung ungebremst fort, muss die Schweiz die Berner Konvention dereinst aufkündigen – es sei denn, der Wolf wäre dann nur noch «geschützt». Der Antrag des Uvek ist denn auch vor diesem Hintergrund zu lesen: Es ist der Versuch, die helvetische Wolfspolitik dauerhaft mit der Berner Konvention im Einklang zu halten. Ein erster Versuch der Schweiz beim ständigen Ausschuss der Berner Konvention ist 2006 gescheitert. Doch beim aktuellen Versuch stehen die Vorzeichen anders. Beim Bafu jedenfalls hat man nach Gesprächen mit Vertretern von EU-Staaten den Eindruck gewonnen, dass die Schweiz mit ihrer Forderung bei weitem nicht allein dastehe.

«Notwendige Reduktion»

Davon zeugen auch jene Stimmen in der EU, die angesichts der geschätzten 10'000 bis 20'000 Wölfe in Europa eine Justierung der bisherigen Politik fordern – Stimmen, die zuletzt zahlreicher geworden sind. Druck bauen Alpenregionen wie Südtirol und Salzburg auf. «Für absoluten Schutz gibt es keine Notwendigkeit», sagt etwa der Südtiroler EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann. Die EU-Kommission hat bislang jedwede Angriffe abgeblockt. Doch wie lange noch? Selbst die deutsche Regierung fordert die Kommission auf, den Schutzstatus des Wolfs zu überprüfen, «um die notwendige Bestandesreduktion herbeiführen zu können»; so steht es im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD.

Wie stark die Front wachsen wird, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Alpenregionen am selben Strick ziehen werden. Ende Juni tagt die Arbeitsgemeinschaft Alpenländer, zu der die Kantone Graubünden, St. Gallen und Tessin zählen, ebenso die Regionen Bayern, Lombardei, Salzburg, Südtirol, Tirol, Trentino und Vorarlberg. Zwar besteht noch keine konsolidierte Haltung. Insider rechnen aber damit, dass das Gremium dafür plädieren wird, den strengen Schutz des Wolfs abzuschwächen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt