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Mitarbeiter mit hohen Abfindungen aus der Unia entlassen

Nach der Affäre Burger steht die Unia weiter in der Kritik. Ehemalige Angestellte berichten, sie seien aus der Gewerkschaft gedrängt worden. Die Unia bestreitet das.

Vorwürfe: Gemäss der SRF-Sendung «Rundschau» zahlt die Unia hohe Abfindungen an nicht mehr erwünschte Mitarbeiter. (16. September 2016)
Vorwürfe: Gemäss der SRF-Sendung «Rundschau» zahlt die Unia hohe Abfindungen an nicht mehr erwünschte Mitarbeiter. (16. September 2016)
Alessandro della Valle, Keystone
Unia-Präsidentin Vania Alleva dementiert die Vorwürfe der SRF-Sendung.
Unia-Präsidentin Vania Alleva dementiert die Vorwürfe der SRF-Sendung.
Alessandro della Valle, Keystone
Gespannte Blicke auf den Abstimmungssonnntag vom 25. September: Giorgio Tuti, Präsident der Gewerkschaft des Schienenpersonals (SEV), Alleva, Corrado Pardini, Nationalrat (SP, BE), und Paul Rechsteiner, Präsident SGB (v. r.), verfolgen die Abstimmungsresultate in Bern. (25. September 2016)
Gespannte Blicke auf den Abstimmungssonnntag vom 25. September: Giorgio Tuti, Präsident der Gewerkschaft des Schienenpersonals (SEV), Alleva, Corrado Pardini, Nationalrat (SP, BE), und Paul Rechsteiner, Präsident SGB (v. r.), verfolgen die Abstimmungsresultate in Bern. (25. September 2016)
Peter Klaunzer, Keystone
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Gegenüber der SRF-Sendung «Rundschau» schütteten ehemalige Mitarbeiter der Unia ihr Herz aus. Die Gewerkschaft habe sie mit hohen Abfindungen aus der Organisation gedrängt. Er sei ein Gewerkschafter mit Leib und Seele gewesen, bis ihn die Unia aufgefordert habe zu kündigen, erklärte ein Mann. Eine Austrittsvereinbarung sei unterschriftsbereit auf dem Tisch gelegen. «Ich weiss bis heute nicht, weshalb man mich entlassen wollte», sagte er. Für ihn sei es das Schlimmste gewesen, dass er ausgerechnet von einer Gewerkschaft so behandelt worden sei.

Der ehemalige Unia-Angestellte äusserte sich anonym in der «Rundschau» – aus Angst vor Repressalien. Der entlassene Mitarbeiter vermutet, dass er zu kritisch gegenüber Stil und Strukturen seiner Vorgesetzten gewesen sei.

Linientreue erwünscht

Auch ein anderer Gewerkschafter packte in der Sendung aus. Er sprach von einem Führungszirkel mit autoritären Persönlichkeiten, die einen aggressiven Stil pflegen würden. Untereinander seien sie völlig loyal, seit langem beste Freunde. Sie würden zu einer eingefleischten Gruppe gehören, die gemeinsam in die Organisation gekommen sei. «Sie sind in mehreren Regionen der Deutschschweiz in Führungspositionen.» Wer nicht auf ihrer Linie sei, dem werde nahegelegt, die Gewerkschaft zu verlassen. So werde jegliche Kritik im Keime erstickt, bemängelte der Mann, der ebenfalls anonym bleiben wollte.

Ehemalige Gewerkschafter erklärten überdies, dass es Überwindung brauche, um über dieses «Klima der Angst» zu sprechen. Niemand würde öffentlich hinstehen, um dem Kampf für die Arbeitnehmer nicht zu schaden. Oder man wagt sich aus juristischen Gründen nicht, die Situation darzulegen.

Die Gewerkschaft wehrt sich

Der «Rundschau» liegen Austrittsvereinbarungen vor, die hohe Abfindungen vorsehen. Gekoppelt sind diese mit Stillschweigeklauseln. Der Arbeitsrechtsexperte Roger Rudolph erklärte in der Sendung: «Das ist ein Indiz, dass sich die Unia allfällige rechtliche Probleme wegkauft, weil ihre Kündigungen unwirksam oder missbräuchlich sein könnten.»

Die Unia sieht das völlig anders. Präsidentin Vania Alleva wies die Vorwürfe schriftlich entschieden zurück. Alleva glaubt an eine gezielte Kampagne gegen die Gewerkschaft. Es sei nicht das Ziel der Unia, Kritiker aus der Organisation zu drängen.

Alleva erklärte zudem, dass «Abgangsentschädigungen vorkommen können, wenn ein Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst wird». Dass auch Stillschweigen vereinbart werde, sei aufgrund der arbeitsrechtlichen Treuepflichten und des Datenschutzes absolut üblich. Gerade bei langjährigen Mitarbeitenden würde die Unia als gewerkschaftliche Arbeitgeberin eine besondere soziale Verantwortung übernehmen, wenn sie zum Schluss komme, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich sei.

Im Fall von Regionalleiter Roman Burger, der wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung einen neuen Job suchen muss, konnten sich beide Parteien auf eine ordentliche Kündigung einigen. Die Gewerkschaft hilft Burger bei der Stellensuche und kommt für Weiterbildungskosten von bis zu 40'000 Franken auf.

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