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Morgens um neun gab es einen dumpfen Knall

Linksaktivisten haben am Morgen Feuerwerkskörper im Posthotel in Davos gezündet. Eine Gruppe von WEF-Gegnern sprach von einem «Anschlag» und übernahm die Verantwortung.

«Es gab eine kleine Detonation»: Thomas Hobi, Sprecher der Kantonspolizei Graubünden. (Video: Jan Derrer)

Die Polizei bestätigte, dass sich in einer Abstellkammer im Untergeschoss des Hotels eine kleinere Detonation ereignet habe. Diese habe kurz nach 9 Uhr stattgefunden und ein paar Fensterscheiben zerstört. Zudem habe sich Rauch entwickelt.

Verletzt wurde niemand, wie Thomas Hobi, Sprecher der Kantonspolizei Graubünden der Nachrichtenagentur SDA zu einem entsprechenden Bericht von «20 Minuten Online» sagte.

Die Veranstalter des WEF und die Behörden des Kantons Graubünden gingen nach ersten Erkenntnissen von einem Feuerwerkskörper aus, der zur Detonation gebracht wurde.

«Pyrotechnik und Zucker im Öltank»

«Wir haben die Hotels Morosani in Davos mit Pyrotechnik und Zucker angegriffen. In diesen Hotels sind die Bundesräte und die UBS- Vertreter untergebracht», heisst es in einem anonymen Bekennerschreiben, das der SDA vorlag.

Es seien zwei Sprengsätze mit Zeitzündern im Hotel deponiert worden. Gemäss Bekennerschreiben sollten diese aber früher explodieren. Die Zeitzünder seien auf 6 Uhr gestellt worden, um die Angestellten des Hotels nicht zu gefährden, teilten die WEF-Gegner mit. Die Explosion fand aber erst Stunden später statt, als bereits Mitarbeiter im Gebäude waren.

Zusätzlich sei Zucker in den Öltank des Hotels gefüllt worden, damit den Bundesräten «früher oder später in den Bergen auch ein kalter Wind um die Ohren weht».

Dumpfer Knall

Angestellte des Hotels berichteten einem Korrespondenten der SDA von einem dumpfen Knall. Zudem sei eine leichte Erschütterung spürbar gewesen. Der Lagerraum im Untergeschoss sei von aussen her zugänglich - allerdings sollte er während des WEF sicher verriegelt sein.

Ein WEF-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Posthotel sei nach Bekanntwerden des Bekennerschreibens zwei Mal nach Bomben durchsucht worden. Bundesräte nicht in Gefahr

Bundesräte nicht in Gefahr

Zu den Morosani Hotels gehört das Posthotel und der Schweizerhof, die nebeneinander an der Promenade in Davos liegen.

Im Posthotel, wo die Explosion stattfand, wohnten in früheren Jahren die Bundesräte am WEF. Dieses Jahr logieren sie aber nicht in dem Gebäude. «Die Sicherheit der Schweizer Bundesräte war zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt», sagte Thomas Abegglen von der Bundeskanzlei.

Zur Frage, wie es möglich sei, während des WEF in einem bewachten Luxushotel einen Sprengsatz anzubringen, wollte sich die Polizei nicht äussern. Die Ermittlungen hat die Bundesanwaltschaft übernommen. Aus «ermittlungstaktischen Gründen» wollte diese jedoch vorerst keine Informationen bekanntgeben.

Weiterhin Veranstaltungen

Die Lage im Posthotel war am frühen Donnerstagnachmittag ruhig. Der Eingangsbereich des Luxusetablissements wurde von mehreren Sicherheitskräften in zivil bewacht, allerdings war kein erhöhtes Polizeiaufkommen auszumachen.

Veranstaltungen des WEF konnten im Hotel ungestört abgehalten werden, unter anderem fand am Mittag ein Arbeitsessen zum Thema organisierte Kriminalität mit dem Direktor der europäischen Polizeibehörde Europol, Robert Wainwright und dem kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos statt.

Die Heizungen funktionierten normal, es sei warm im Haus, hiess es an der Reception. Der Hotel-Direktor wollte keine Stellung zum Vorfall nehmen.

Zweiter Anschlag

Bei den mutmasslichen Tätern handelt es sich offenbar um die selbe Gruppe, die in der Nacht auf Mittwoch einen «Anschlag» auf die HSG St. Gallen verüben wollte, ihren angeblichen Sprengsatz fälschlicherweise aber vor dem Sitz der Versicherung Helvetia deponierte. Die Polizei musste das Gebäude evakuieren und Sprengstoffexperten anfordern.

Die Linksaktivisten sprachen von einem Irrtum. Allerdings sei die Helvetia Versicherung «auch kein falsches Ziel», hiess es in dem Bekennerschreiben. Der Konzern schreibe hohe Gewinne, während viele «Arbeiterinnen und Arbeiter» nicht wüssten, wie sie ihre Krankenversicherung bezahlen sollten.

SDA/bru

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