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Munition in Thuner- und Brienzersee setzt kaum Gift frei

Bis in die 1960-er Jahre wurden 8000 Tonnen Munition in den Oberländer Seen versenkt. Laut einer VBS-Studie sei diese aber ungefährlich. Das Monitoring soll deshalb gelockert werden.

Mit einem Spezialboot suchte Wissenschaftler bereits 2007 nach Munition im Thunersee.
Mit einem Spezialboot suchte Wissenschaftler bereits 2007 nach Munition im Thunersee.
zvg

Die Anfang des vergangenen Jahrhunderts in Schweizer Seen versenkte Munition setzt keine Giftstoffe frei. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht des Bundes nach einer mehrjährigen Überwachung der betroffenen Gewässer, namentlich des Thuner- und Brienzersees. Der Bericht bestätigt nun Befunde aus früheren Jahren. 2012 schätzte eine Studie das Gefahrenpotenzial der versenkten Munition als minimal ein.

Dennoch wurden die Untersuchungen von 2012 bis 2016 fortgesetzt, um das Resultat zu plausibilisieren. Die Resultate wurden nun in einem Bericht zusammengetragen und am Freitag vom Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) veröffentlicht.

Die Ergebnisse seien beruhigend, schreibt das VBS in einer Mitteilung. Zwar wurden Rückstände von Explosivstoffen und deren Abbauprodukten nachgewiesen, doch liegt die gemessene Konzentration laut VBS hundert- bis tausendfach unter den strengsten Vorgaben der Lebensmittelgesetzgebung.

Der Bund erachtet es damit nicht mehr als notwendig, das umfangreiche Monitoringprogramm fortzuführen. Im Sinne einer Vorsorge sollen in den Seen aber 2019 erneut Sediment- und Seewasserproben entnommen werden.

Tonnenweise Munition versenkt

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts bis in die 1960-er Jahre versenkte die Armee in den Schweizer Seen tonnenweise Munition. Betroffen waren vor allem der Thuner-, der Brienzer- und der Vierwaldstättersee.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Munitionsmagazine der Armee übervoll. Nach schweren Explosionsunglücken, unter anderem in Mitholz im Kandertal, beschloss der Bundesrat 1948 eine einmalige Vernichtungsaktion. Zwischen 1948 und 1949 wurde die obsolete Munition (vor allem Artilleriegeschosse und Handgranaten) in den Seen versenkt.

Bis in die 1960er-Jahre hinein entsorgten zudem die Munitionsfabriken Thun und Altdorf Fabrikationsrückstände und Fehlchargen in nahe gelegenen tiefen Seen. Die Entsorgung der Munitionsabfälle entsprach damals dem gängigen Umweltverständnis. Es war die einfachste und billigste Art, die Munitionsabfälle los zu werden.

Mit dem in den 1980-er Jahren aufkeimenden Umweltbewusstsein rückten auch die Munitionsabfälle wieder stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung. 1992 informierte das Verteidigungsdepartement über seine Altlasten in den Seen. Ein Bericht kam zum Schluss, dass die Munitionsabfälle in den Seen ungefährlich seien.

Thunersee-Felchen geben Rätsel auf

Zu Beginn des neuen Jahrtausends mehrten sich Hinweise auf unerklärliche Veränderungen an den Geschlechtsorganen der Felchen im Thunersee. Rasch rückten zwei Thesen über mögliche Ursachen ins Rampenlicht: Sprengstoffrückstände aus dem damals gerade im Bau befindlichen Neat-Basistunnel am Lötschberg und die versenkten Munitionsabfälle im See.

2004 gab das VBS bekannt, es werde die Schweizer Seen auf Munitionsabfälle hin untersuchen. Auch hier ergaben sich keine Hinweise auf Gefährdung. Der Bund liess auch prüfen, ob die Munition allenfalls gehoben werden könnte. Experten rieten 2008 aber davon ab.

2012 gab das VBS bekannt, dass die über 8000 Tonnen Munitionsabfälle auf dem Grund der Seen bleiben. Die Bergung wäre riskanter als der Status Quo. Die meisten Objekte befänden sich heute zwischen 25 Zentimeter und zwei Meter tief unter dem Seegrund.

Beim Heben und Entsorgen der Munition bestünde Explosionsgefahr. Ausserdem würden bei der Bergung der Munition grössere Mengen Sediment aufgewirbelt, was den Sauerstoffgehalt des Sees nachhaltig durcheinanderbringen könnte.

Unterdessen sehen Forscher die Veränderungen bei den Thunersee-Felchen eher im Zusammenhang mit deren Nahrung. Dass Sprengstoff- oder Munitionsrückstände eine Rolle spielten, halten die Forscher eher für unwahrscheinlich.

SDA/tag

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