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Noch nie exportierten Schweizer Bauern so viel

Auch die Schweizer Bauern leiden unter dem starken Franken. Das dürfte in diesem Jahr das rekordmässige Exportvolumen von 2010 schnell wieder vergessen machen.

Exporte verteuern sich: Ein Bauer hält eine Kuh mit Hörnern an der Viehschau in Stans NW. (8. Oktober 2011)
Exporte verteuern sich: Ein Bauer hält eine Kuh mit Hörnern an der Viehschau in Stans NW. (8. Oktober 2011)
Keystone

Noch nie haben die Schweizer Bauern so viel exportiert wie im vergangenen Jahr. Mit 7,8 Milliarden Franken Exportvolumen erzielten sie 2010 gemäss dem neuesten Agrarbericht einen neuen Rekord. Wegen des starken Frankens droht nun aber wieder ein Gegentrend.

Der Druck auf die Preise von Landwirtschaftsgütern sei gestiegen, sagte Bernard Lehmann am Montag anlässlich der Veröffentlichung des Agrarberichts 2011 in Bern. Lehmann ist seit Juli Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW).

Die Exporte hätten sich um 15 Prozent verteuert. Die Produkte seien aber in unterschiedlichem Mass vom starken Franken betroffen. Bei diversen Spitzenprodukten habe die verkaufte Menge dank Preissenkungen gehalten werden können. Bei anderen Produkten sei die verkaufte Menge trotz tieferer Preise zurückgegangen.

Wettbewerbsfähigkeit leidet

Doch nicht nur der Export von Produkten aus der Landwirtschaft leidet unter dem starken Franken. Auch der Absatz im Inland kommt unter Druck, da die importierten Landwirtschaftsgüter – ob verarbeitet oder nicht – günstiger werden.

Die Menge importierter Landwirtschaftsprodukte könnte deshalb wieder ansteigen. In den vergangenen beiden Jahren blieb der Import mit je 11,5 Milliarden Franken stabil. Im Jahr 2008 waren es 12,2 Milliarden gewesen.

Die Verteuerung der Schweizer Landwirtschaft läuft der Vision zuwider, die Bernard Lehmann in der Landwirtschaftspolitik verfolgen will: Er möchte, dass sich die Landwirtschaft mit ihren Produkten und Leistungen in den Märkten bestmöglich positioniert und gleichzeitig wettbewerbsfähige Preise anstrebt.

Kosten senken dank effizientem Ressourceneinsatz

Es sei dabei dringend notwendig, die Kosten zu senken. Dazu brauche es neue Ansätze bei den Investitionen. Die effizientere Nutzung der Ressourcen ist für das BLW unabdingbar. So kann die Landwirtschaft auch die eigenen Ressourcen schützen.

Zur Nachhaltigkeit gehört auch, dass die Landwirtschaft den Ausstoss an Treibhausgasen verringert. Bis 2005 soll die Produktion von landwirtschaftlichen Gütern um ein Drittel erhöht, der Ausstoss von Treibhausgasen aber um ein bis zwei Drittel gesenkt werden.

Doch nicht nur die Schweizer Bauern sollen ihren Beitrag leisten, um die Vision des BLW zu realisieren. Einen Beitrag erwartet Lehmann auch von den Konsumenten. Sie sollen die nachhaltige Produktion in der Schweiz durch ihr Kaufverhalten unterstützen.

Labels fördern

Dies sollen sie auch beim Kauf von Importprodukten tun, indem sie Gütern den Vorzug geben, die nachhaltig produziert werden. Die Schweiz könne dabei durchaus ihren Einfluss geltend machen, sagte Lehmann mit Verweis auf weltweite Importstatistik für Agrargüter, in der die Schweiz den 14. Rang belegt. Als Instrument zur Erreichung dieser Ziele stehen für Lehmann nationale und internationale Labels im Vordergrund.

Auf die Frage, ob er seine Vision eher mit den Regeln des Marktes oder mit staatlicher Regulierung und Subventionierung erreichen wolle, sprach sich Lehmann gegen eine Aufstockung der Subventionen aus.

Genforschung nicht auf Medizin beschränken

Der Staat müsse vor allem für gute Rahmenbedingungen sorgen und die geforderte Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette - vom Bauern über den Verarbeiter zum Händler - fördern.

Lehmann betonte dabei zudem die wichtige Rolle der landwirtschaftlichen Forschung und sprach sich in diesem Zusammenhang auch für die Genforschung aus: Es könne Sinn machen, Eigenschaften von Pflanzen zu verändern, sagte er.

Die Genforschung dürfe sich nicht nur auf die Medizin beschränken. Auch in der Landwirtschaft müsse es möglich sein, diese Fragen offen zu diskutieren. Dazu müssten aber die Grabenkämpfe überwunden werden.

Gegen Spekulation vorgehen

Spielraum für staatliche Regulierungen sieht Lehmann bei den Preisbildungsmechanismen auf den internationalen Agrarmärkten. Mit Bezug auf die zwei Preishaussen für Landwirtschaftsgüter der letzten vier Jahre erklärte Lehmann, dass es zwar immer eine Grundtendenz gebe, die zu solchen Preisentwicklungen führe.

Eine Rolle spiele aber auch die Spekulation, sagte er und ergänzte, dass er es persönlich für vernünftig halte, in dieser Frage regulierend einzugreifen.

SDA/bru

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