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«Nun ist es leider denkbar, dass die Nummer zwei Bundesrat wird»

Nicht mehr Blocher oder keiner: Mit einem Zweierticket will SVP-Stratege Christoph Mörgeli einem anderen SVP-Mann den Weg in den Bundesrat ebnen.

«Würde Blocher verzichten, wäre das grundfalsch»: SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli.
«Würde Blocher verzichten, wäre das grundfalsch»: SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli.
Keystone

Herr Mörgeli, die anderen Parteien wollen Christoph Blocher erwartungsgemäss nicht nochmals wählen. Sollte er nicht besser verzichten? Würde er verzichten, wäre das grundfalsch. Wenn sich Blocher selber aus dem Rennen nähme, würden die Gegner auf den Schwächsten von uns als ihren Favoriten verfallen.

Verzichten wird Blocher also kaum. Von einem Verzicht gehe ich in der Tat nicht aus. Im Übrigen läuft für uns bis jetzt alles nach Plan. Wir haben mit dem Widerstand der anderen Parteien gegen die Kandidatur Blocher rechnen müssen. Ihr Motiv ist schlecht, sie wollen uns schaden. Die anderen tragen die Verantwortung dafür, dass wir ausgerechnet in dieser schweren Wirtschaftskrise nicht den Besten in den Bundesrat bringen können.

Aber auch Sie sagen jetzt wie Christoph Blocher, die SVP müsse mit einem anderen Mann in die Regierung einziehen. Nun ist es leider denkbar, dass die Nummer zwei Bundesrat wird.

Also keine Zerreissprobe innerhalb der SVP? Diese Zerreissprobe ist ein Wunschtraum der Medien und unserer Gegner. Die Kandidatur Blocher ist im Übrigen notwendig, auch wenn er am Schluss nicht wieder in der Regierung ist.

Welchen Zweck verfolgt sie denn? Dass wenigstens unsere Nummer zwei es in den Bundesrat schafft. Und die anderen es verantworten müssen, wenn sie die Nummer eins nicht wollen. Wenn wir jetzt einen Kurswechsel hin zu einer linkeren Politik in der Partei einleiten, verraten wir unsere Wähler.

Mit Blocher als Kandidaten wird plötzlich sogar ein Ueli Maurer für die anderen wählbar. Ja, es ist so. Heute gelten Leute als wählbar, von denen unsere Gegner vor kurzem noch gesagt haben: Kommt gar nicht in Frage! Unsere drei ernsthaften Anwärter - Ueli Maurer, Caspar Baader, Adrian Amstutz - galten noch vor einem halben Jahr als unwählbare Hardliner. Auf der anderen Seite wird die Konkordanz nun absurd, wenn plötzlich ein Grüner namens Luc Recordon mit seinem schmalen Leistungsausweis als wählbar gilt, ein Christoph Blocher dagegen nicht.

Wird die SVP ein Zweierticket aufstellen oder eine Einerkandidatur bringen, aber nicht Blocher? Ich favorisiere ein Zweierticket mit Blocher als Nummer eins und einem anderen.

Wer als Nummer zwei? Maurer, Baader oder Amstutz.

Wen favorisieren Sie? Das müsste ich mir noch überlegen. Ich werde ohnehin, wie viele unserer Fraktion, in der Bundesversammlung Christoph Blocher wählen. Das ist mein Auftrag gegenüber der Schweizer Bevölkerung. Hätte die SVP Christoph Blocher nicht gebracht, hätten wir unseren Auftrag nicht erfüllt.

Ueli Maurer sagt, er trete weder gegen Blocher noch gegen Caspar Baader an. Doch kein Zweierticket mit Maurer und Blocher? Wer spricht denn von «gegen»? Das wäre doch «mit»!

Sie haben seinerzeit den Berner Adrian Amstutz als möglichen neuen Bundesrat ins Spiel gebracht. Sind Sie immer noch für ihn? Amstutz ist ein guter Kandidat. Auch Maurer ist eine gute Lösung. Und Baader bringt auch die Voraussetzungen mit.

Im Moment hat die SVP sehr viele Interessenten für den Bundesrat. Die vielen Kandidaturen haben System. Vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen: Das ist manchmal auch eine wichtige Strategie. Wir wollen möglichst viele Namen ins Spiel bringen, damit sich die andern Parteien nicht voll auf jemanden einschiessen können.

Wird die Zürcher SVP am Montagabend einen Einer-Vorschlag mit Blocher bringen? Ob dieser Entscheid einstimmig fällt, weiss ich nicht. Aber ein Zweierticket aus Zürich wäre falsch. Die Zürcher Kantonalpartei muss ein ganz starkes Zeichen für Christoph Blocher setzen.

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