ÖV schafft 9-Uhr-Karte Ende Jahr ab

Tageskarten, Halbtax-Abo und GA werden nächstes Jahr nicht nochmals teurer. ­Allerdings schafft die ÖV-Branche die 9-Uhr-Karte ab. Neu gibts eine Spartageskarte, doch diese wirft Fragen auf.

Neue Perronanzeiger: Die Tage der Fallblattkästen sind gezählt. Die SBB montierten gestern in Freiburg die ersten neuen Bildschirme.

Neue Perronanzeiger: Die Tage der Fallblattkästen sind gezählt. Die SBB montierten gestern in Freiburg die ersten neuen Bildschirme.

(Bild: SBB)

Julian Witschi

Die Preishausse für Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs hat vorläufig ein Ende. Der für die Tarife zuständige Branchenverband ch-direct verzichtet für das nächste Jahr auf eine nationale Preiserhöhung. National bedeutet, dass die regionalen Billette und Abonnemente der diversen Tarifverbünde doch teurer werden könnten.

Für die Billette im Fernverkehr, das Halbtax-Abo, das Generalabonnement und die Tageskarte müssen die Kunden nicht nochmals tiefer in die Taschen greifen. Allein beim letzten Fahrplanwechsel im Dezember 2016 waren die ÖV-Tarife um 3 Prozent gestiegen.

Die ÖV-Branche setze nun die Absicht um, Preiserhöhungen wenn möglich zu vermeiden, teilte ch-direct am Donnerstag mit. Allerdings seien die Kosten für den Angebotsausbau und den Unterhalt der Infrastruktur zuletzt stärker gestiegen als die Billettpreise. Dies könne die Branche durch Effizienzsteigerungen vorerst auffangen.

Spartageskarte für Ausflügler

Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VÖV), hatte zu einem Preisstopp gedrängt. Denn Auto fahren sei in den letzten Jahren nicht teurer, sondern billiger geworden. Zudem sorgt offenbar auch die Debatte um die Zulassung von Fernbussen im inländischen Verkehr für Preisdruck.

Vor diesem Hintergrund setzt die ÖV-Branche vermehrt auf Schnäppchenangebote. So gibt es im Fernverkehr bereits Sparbillette. Die SBB und Postauto haben das Angebot für diesen Sommer ausgeweitet und eine Aktion mit gemeinsamen Sparbilletten lanciert. Ziel ist, dass der ÖV im stark wachsenden Freizeitverkehr nicht abgehängt wird. Denn Einzelbillette sind vergleichsweise teuer.

Ziel ist, dass der ÖV im stark wachsenden Freizeitverkehr nicht abgehängt wird.

Im September folgt nun eine Spartageskarte: Für 29 Franken einen Tag auf dem Schweizer ÖV-Netz fahren, das klingt attraktiv. Das Angebot hat aber einige Haken. So ist der Preis nicht fix, sondern er steigt ab Beginn der dreissigtägigen Vorverkaufsfrist. Wer also an Weihnachten in die Berge fahren will, hat einen Monat vorher die tiefsten Preise. Danach steigt der Preis kontinuierlich in Richtung der 75 Franken für eine normale Tageskarte für die 2. Klasse.

Wie viele Frühbucher vom Mindestpreis profitieren und wie viele Spartageskarten insgesamt ausgegeben werden, lässt ch-direct offen. Es können zwar auch Reisende von einer Spartageskarte profitieren, die kein Halbtaxabo haben. Allerdings sind die Spartageskarten, wie bereits die Sparbillette, nur via Internet und Apps buchbar. An den Schaltern und Automaten sind sie nicht erhältlich.

Konsumentenschutz kritisch

Zudem wird die 9-Uhr-Karte per Fahrplanwechsel im Dezember 2017 abgeschafft, ebenso das Rabattangebot von sechs Tageskarten zum Preis von fünf. Mit Abschaffung der 9-Uhr-Karte fehle zukünftig ein verlässliches Sparangebot, kritisiert die Stiftung für Konsumentenschutz.

Denn diese sei erhältlich zum ­fixen, transparenten Preis von 58 Franken. Der neue Früh­bucheranreiz entspricht laut Konsumentenschutz nicht dem heutigen Mobilitätsverhalten. Viele Reisende entschieden kurzfristig und je nach Wetter, ob sie einen Ausflug unternehmen.

Im September folgt nun eine Spartageskarte: Für 29 Franken einen Tag auf dem Schweizer ÖV-Netz fahren.

Eine Alternative sind weiterhin die günstigen Tageskarten der Gemeinden. Aber auch hier sind die Kontingente begrenzt. Ein weiteres Angebot soll im nächsten Jahr kommen: ein Ausflugsabo mit einem ein Set von 20 oder 30 GA-Tagen, die mit einem Halbtax-Abo genutzt werden können.

Davon könnten jene profitieren, die zwar nicht täglich weite Strecken zurücklegen, aber sich die Freiheiten des Generalabonnements gönnen für spontane Ausflüge. Angesichts all dieser Rabatte scheint fraglich, ob mittelfristig nicht doch die auf ein GA angewiesenen Pendler stärker zur Kasse geben werden.

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