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Pfarrer fürchten um ihren Einfluss

An der Revision der Kirchenordnung dürften sich die Verantwortlichen der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn noch die Zähne ausbeissen. Der Pfarrverein kritisiert das vom Synodalrat ausgearbeitete Papier scharf.

Eigentlich wollte der Synodalrat der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn die Revision der Kirchenordnung bereits an der Wintersynode 2009 traktandieren. Doch dann verschob er das Ganze auf Sommer 2010. Denn allein die Frage, ob überhaupt eine Revision anzupacken sei, hatte im Winter 2008 im Kirchenparlament zu langen Diskussionen geführt. Aber schliesslich sagten die Synodalen mit 104 zu 40 Stimmen Ja zur Absicht des Synodalrates, die Kompetenzen zwischen Kirchgemeinderat und Pfarrschaft klarer zu regeln.

Noch mal von vorn?

Im letzten Herbst schickte der Synodalrat seinen Entwurf der Revision in die Vernehmlassung. Geht es nun aber nach dem reformierten Pfarrverein Bern-Jura-Solothurn, kann die Kirchenleitung mit ihrer Arbeit gleich noch mal von vorn beginnen. Die vorgeschlagene Revision sei «nicht nur ungenügend, sondern sogar geeignet, Schaden anzurichten», schreibt der Verein in seiner Vernehmlassungsantwort. Er bezieht seine Kritik auf die Stellung des Kirchgemeinderates, respektive auf die Frage, wer die Kirchgemeinden zu leiten habe. In der heutigen Kirchenordnung steht: «Der Kirchgemeinderat leitet in Zusammenarbeit mit der Pfarre-rin» Im Revisionsentwurf bleibt die Zusammenarbeit zwar weiterhin explizit erwähnt, doch beschränkt sie sich jetzt für die Pfarrschaft auf ein Antrags- und Mitspracherecht. Neu ist es alleinige Sache des Kirchgemeinderates, die Entscheide zu fällen.

«Veraltet, realitätsfremd»

Doch der Pfarrverein spricht sich für eine «partizipative Führung» aus und regt an, den Begriff der «gemeinsamen Leitung» aufzunehmen. Denn: «Kirchliche Einheit besteht und entsteht in erster Linie dadurch, dass sich alle Beteiligten in ihrem Urteilen und Handeln durch das Wort Gottes leiten lassen.» Die Leitung einer Kirchgemeinde in «strategisch» und «operativ» aufzuteilen, erachten die Pfarrer als «veraltet, einseitig und realitätsfremd». Damit werde auf Probleme fokussiert, «anstatt das Wohl des Ganzen im Blick zu haben», lautet ein weiterer Vorwurf.

In die Sommersynode

Der Pfarrverein ist mit dem Revisionsvorschlag derart unzufrieden, dass er dem Synodalrat «Antrag auf Neuerarbeitung» stellt. Doch das kommt laut Thomas Gehrig, Kommunikationschef der reformierten Berner Kirchen, nicht in Frage. Die Revision der Kirchenordnung werde in der kommenden Sommersynode in erster Lesung beraten. Mitte Februar werde der Synodalrat entscheiden, wie er mit den Anträgen des Pfarrvereins und den «Dutzenden von weiteren Rückmeldungen» umgehen werde, sagt Gehrig. Die «relativ starke Opposition» des Pfarrvereins sei zu erwarten gewesen und sei kein Grund, den Zeitplan zu ändern.

Am Fahrplan, den der Synodalrat aufgestellt habe, lasse sich laut Gehrig auch wegen der Absichten der kantonalen Justiz-, Gemeinde und Kirchendirektion (JGK) nicht mehr rütteln. Nächstes Jahr werde diese eine Revision des Gesetzes über die bernischen Landeskirchen in den Grossen Rat bringen. Die beiden Vorlagen «bedingen sich zum Teil gegenseitig», erklärt Gehrig, warum eine spätere Beratung der Kirchenordnung ausgeschlossen sei.

Um welche Anpassungen es im Kirchengesetz gehen wird, wollte Hansruedi Spichiger, Beauftragter für kirchliche Angelegenheiten in der JGK, noch nicht verraten. Denn noch habe die Regierung die Vorlage nicht beraten. Diesen Frühling aber werde eine Vernehmlassung stattfinden.

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