Zum Hauptinhalt springen

Pianistin, Konsumentenschützerin, Bundesrätin

Die Berner Ständerätin Simonetta Sommaruga hat die Wahl um den SP-Sitz im Bundesrat für sich entschieden. Ihr Mann, der Schriftsteller Lukas Hartmann, wird «Herr Bundesrat».

Nach der Wahl zur Bundesrätin: Simonetta Sommaruga.
Nach der Wahl zur Bundesrätin: Simonetta Sommaruga.
Keystone

Mit 159 Stimmen wurde die Konsumentenschützerin Simonetta Sommaruga im vierten Wahlgang zur Bundesrätin gewählt. Um 10.11 Uhr bedankte sich die Berner Ständerätin in drei Landessprachen für ihre Wahl. Ihr Ehemann, der bekannte Schriftsteller Lukas Hartmann hatte bei der Wahl mitgefiebert und Sommaruga im Wahlkampf unterstützt.

Die neue Bundesrätin ist im Bundeshaus bestens vernetzt. Als SP-Ständerätin pflegte die Bernerin seit langem gute Kontakte auch ins bürgerliche Lager. Bei Volkswahlen erzielte sie in der Vergangenheit regelmässig beachtliche Resultate. Doch unbestritten ist die 50-jährige Politikerin keineswegs. Skepsis kommt nicht zuletzt aus dem eigenen Lager: Dem linken Flügel der SP ist Sommaruga spätestens seit dem «Gurten-Manifest» von 2001 suspekt, als sie zusammen mit anderen SP-Reformern für mehr Markt und weniger ideologische Einengung einstand.

Sommaruga punktete selbst bei Bauern

Ihrer Popularität hat dies nicht geschadet. Als Konsumentenschützerin machte sie sich schon ab 1993 einen nationalen Namen; die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) fand mit ihr als Geschäftsleiterin zu alter Stärke zurück. Das Engagement lancierte zugleich Sommarugas Polit-Karriere. 1999 schaffte sie den Sprung von der Exekutive der Berner Vorortsgemeinde Köniz in den Nationalrat. 2003 gelang es ihr sogar, Berns bürgerliches Bollwerk im Ständerat zu sprengen – weil sie selbst bei Bauern punkten konnte, zog sie mit einem noch besseren Resultat als der SVP-Vertreter in die kleine Kammer ein.

Im Bundeshaus machte sich Sommaruga einen Namen als Pragmatikerin, die sich über Parteigrenzen hinaus verständigen kann und tragfähige Lösungen sucht. Das zeigt etwa die im Juni eingereichte Motion für ein Modernisierung des Erbrechts, die von mehr als der Hälfte aller Ständeratsmitglieder unterschrieben wurde. Sommaruga gehört nicht zum Gewerkschaftsflügel ihrer Partei, sie vertritt den Mittelstand und die Konsumenten. So weicht sie mitunter von klassischen linken Positionen ab. Den Argwohn der SP weckte sie beispielsweise mit ihrer Haltung zu liberaleren Ladenöffnungszeiten.

Sie wies Bankiers gekonnt in die Schranken

Punkten konnte sie dagegen bei den Linken in der Finanzkrise, als sie den strauchelnden Grossbankern und Finanzhaien dezidiert gegenübertrat. Berühmt wurde im Februar 2009 ihr Auftritt in der TV- Sendung «Club», wo sie Bankiers gekonnt in die Schranken wies.

Auch Energie- und Gesundheitsfragen treiben sie seit langem um. Davon zeugen die Parlamentsmandate, die sie bisher hatte: Vizepräsidentin der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie, Mitglied der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit und der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK). Daneben ist Sommaruga Stiftungsrätin beim Berner Bärenpark und beim Schweizerischen Roten Kreuz, bei Slow Food, dem Hilfswerk Swissaid und bei der Equam Stiftung, die für Qualitätssicherung in der Medizin einsteht. Dazu kommt ein Mandat als Verwaltungsrätin – bei der Concret AG, die sich um Pflegequalität kümmert.

Lukas Hartmann wird «Herr Bundesrat»

Verheiratet ist Sommaruga mit dem 15 Jahre älteren Hans-Rudolf Lehmann, besser bekannt als Schriftsteller Lukas Hartmann. Der Berner Lehrer hatte sich schon als Kinderbuchautor einen Namen gemacht. Heute ist er ein gefeierter Autor, vor kurzem erhielt er den Berner Literaturpreis. Simonetta Sommaruga hat drei Stiefkinder und seit 2005 einen Enkel.

Aufgewachsen ist sie mit zwei Brüdern und einer Schwester in Sins AG. Ihr Vater, ein Tessiner, arbeitete als Werkleiter der Lonza. Seine Tochter schickte er ins Gymnasium in Immensee SZ. Am Konservatorium Luzern liess sie sich zur Pianistin ausbilden. Nach Auslandaufenthalten in Kalifornien und Rom führte sie ihre Konzerttätigkeit und pädagogische Arbeit am Konservatorium Fribourg weiter. 1986 trat Sommaruga der SP bei, setzte sich aber politisch zunächst nicht in Szene. In Freiburg begann sie 1988 ein Anglistik- und Romanistik-Studium, das sie nach drei Jahren abbrach. Kurz darauf stieg sie bei der Stiftung für Konsumentenschutz ein.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch