Polizeieinsätze gegen Hooligans kosten 15 Millionen Franken

Fussballclubs seien bei Stadionverboten und der Meldepflicht inkonsequent und zurückhaltend, kritisiert Urs Hofmann, Chef der Schweizer Justiz- und Polizeidirektoren.

«Wir erwarten, dass die Clubverantwortlichen gegenüber gewaltbereiten Fans handeln und klare Haltung zeigen», sagte KKJPD-Chef Urs Hofmann. (Keystone/Georgios Kefalas)

«Wir erwarten, dass die Clubverantwortlichen gegenüber gewaltbereiten Fans handeln und klare Haltung zeigen», sagte KKJPD-Chef Urs Hofmann. (Keystone/Georgios Kefalas)

Im Umgang mit Gewalttätern bei Fussballspielen sieht der Chef der Schweizer Justiz- und Polizeidirektoren Verbesserungsbedarf bei den Clubs. Diese würden Stadionverbote noch sehr zurückhaltend aussprechen, sagte Urs Hofmann, Präsidenten der Kantonalen Konferenz der Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) den «CH Media»-Zeitungen.

Zudem soll die Meldepflicht konsequenter angewendet werden, forderte der Aargauer SP-Regierungsrat in dem am Donnerstag publizierten Interview. «Wer eine Stadionsperre hat, soll sich vor Spielen auf einem Polizeiposten melden müssen.» So werde verhindert, dass sanktionierte Personen andere Fans auf dem Weg zum Spiel aufwiegeln oder gar doch noch selber ins Stadion gelangen könnten.

«Wir erwarten, dass die Clubverantwortlichen gegenüber gewaltbereiten Fans handeln und klare Haltung zeigen», sagte Hofmann. «Erpresserische Methoden wie zuletzt bei GC, als Hooligans von den Spielern verlangten, ihre Trikots abzugeben, muss man im Keim ersticken.» Wenn sich die Clubs erpressen liessen, würden sie sich in die Fänge von solchen organisierten Fan-Clans begeben.

Polizeieinsätze bei Fussballspielen sind mit einem grossen finanziellen Aufwand verbunden. «Wir gehen von bis zu 15 Millionen Franken pro Saison aus.» so Hofmann. «Das hat eine umfangreiche Erhebung im Jahr 2014 ergeben. Damals ergab sich für die Spiele der Super-League-Clubs schweizweit ein Aufwand von rund 135'000 Einsatzstunden pro Saison.»

Das Hooligan-Konkordat enthalte zweckmässige Interventionsmöglichkeiten, die Anwendung in den Kantonen sei aber sehr unterschiedlich. Zwischen den Clubs in der Schweiz gebe es grosse Unterschiede. «Wir stellen fest, dass die von der Justiz- und Polizeidirektoren abgegebenen Empfehlungen bisher leider nicht konsequent umgesetzt wurden.»

Die Kantone hatten sich 2007 im Hooligan-Konkordat für Massnahmen gegen Gewalt in und um Fussballstadien zusammengeschlossen. 2012 wurde das Konkordat verschärft. 2016 folgten weitere Empfehlungen. Ende Januar waren in der Hooligan-Datenbank Hoogan 661 Stadionverbote, 437 Rayonverbote und zwölf Meldeauflagen erfasst. Im März wurde ein Super-League-Spiel zwischen Sion und den Grasshoppers aus Sicherheitsgründen abgebrochen, nachdem zum wiederholten Mal Petarden aus dem Zürcher Fanblock auf das Spielfeld geflogen waren.

Am Dienstag beschloss der Ständerat als Zweitrat, dass die Schweiz ein Abkommen des Europarats gegen Gewalt an Sportanlässen ratifizieren kann. Mit dem totalrevidierten Übereinkommen sollen präventive Massnahmen gestärkt werden, zum Beispiel Ausreisesperren gegen Hooligans. Gesetzesänderungen sind nicht nötig. In der Diskussion machten viele Parlamentarier ihrem Ärger über Hooligans und die Untätigkeit der Kantone Luft.

sep/sda

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