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Posträuber: «Reue kommt automatisch»

1997 überfiel Domenico Silano mit vier Kumpanen die Fraumünsterpost in Zürich und erbeutete Millionen. Mit dem Buch «Silano – der Jahrhundertpostraub» ist er erneut im Gespräch – als Autor und ganz normaler Mensch.

Von der Fahndungs- in die Bestsellerliste: Posträuber Domenico Silano (36).
Von der Fahndungs- in die Bestsellerliste: Posträuber Domenico Silano (36).
Mara Truog

Herr Silano, Sie haben einen Sohn. Weiss er, dass sein Papa ein legendärer Posträuber ist? Domenico Silano: Mit fünf Jahren ist er noch zu jung, um zu verstehen, dass ich am Jahrhundertpostraub beteiligt war. Aber für ihn ist es sicher nicht ausschliesslich negativ, einen Vater zu haben, der eine solch schlechte Erfahrung gemacht hat. Einer, der weiss, wo er seinen Jungen unterstützen muss, damit dieser nicht auch noch auf die schiefe Bahn gerät.

Fast zwölf Jahre nach dem Überfall auf die Zürcher Fraumünsterpost veröffentlichen Sie Ihre Geschichte in Buchform. Wie ist es, sich als Krimineller derart zu exponieren? Für mich ist es eine Erleichterung, eine innerliche Befreiung. Ich habe nie gesagt, dass ich stolz auf meine Tat bin. Nein, ich bin definitiv kein stolzer Posträuber. Aber nun ist das Buch erschienen, wir sind damit sogar in die Bestseller-Liste eingestiegen. Jetzt kann ich endlich sagen, dass ich mit mir zufrieden bin. Und stolz auf mein Buch.

Sie waren 15 Monate auf der Flucht und sassen knapp vier Jahre im Gefängnis – wie frei fühlen Sie sich heute? Heute kann ich sagen, dass ich physisch und innerlich frei bin. Ich führe in Italien ein normales Leben und arbeite wie jeder andere auch. Das war lange Zeit mein Wunsch.

Werden Sie denn auch als normaler Mensch wahrgenommen und behandelt? Ich lebe in Norditalien. Dort kennt man den Posträuber nicht. In dem Sinne ja, mein Umfeld sieht mich als normalen Menschen.

Wie gehen denn Ihre Eltern mit Ihrer kriminellen Vergangenheit um? Natürlich reagierten sie erst einmal sehr negativ. Ich komme nicht aus einer kriminellen Familie. Mein Bruder und meine Schwester sind Ingenieure, eine weitere Schwester ist verheiratet und Mutter – die Reaktion meiner Eltern war vollkommen verständlich. Heute sind sie allerdings stolz auf mich, weil ich ein Buch geschrieben habe.

Bereuen Sie es, an einem der spektakulärsten Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte beteiligt gewesen zu sein? Reue kommt automatisch, wenn sich etwas nicht gelohnt hat.

Gibt es auch Momente, in denen Sie über Ihre Tat lachen können?Ja, das kommt vor. Vor allem im Gefängnis habe ich mit den anderen Inhaftierten viele Witze über diesen oder andere Raubüberfälle gemacht. Solche, bei denen sich die Räuber am Ende sagen mussten: «Ich dumme Siech.»

Es muss doch Aspekte geben, in denen sich der Raub gelohnt hat. Immerhin konnten Sie mit Ihren vier Millionen Franken ein fürstliches Leben führen. Klar, die ersten Wochen meiner Flucht waren wie Ferien. Nach ein paar Monaten merkte ich dann aber schon, dass es alles andere war als das.

Mussten Sie das Geld eigentlich jemals zurückzahlen? Nein. Bis heute fehlt rund die Hälfte der 53 Millionen schweren Beute.

In Ihrem Buch steht, dass Sie als Kind vom grossen Geld träumten. Wovon träumen Sie heute? Von Gesundheit, Liebe und Ruhe.

Sind Sie mit Ihrem jetzigen Leben zufrieden? Ich habe wie gesagt einen geregelten, normalen Alltag. Im Mittelpunkt steht die Erziehung meines Sohnes. Da er in der Schweiz lebt, sehe ich ihn leider nicht sehr oft. Trotzdem gebe ich jeden Tag mein Bestes, damit er eine gute Zukunft haben wird.

Haben Sie nie den Wunsch, nach Zürich zurückzukehren und Ihrem Sohn näher zu sein? Nein, hier zu leben ist für mich unmöglich. Dass ich vor einiger Zeit in den Medien zu Unrecht wieder als Betrüger dargestellt worden war, hat den Ballon endgültig zum Platzen gebracht.

Welches Bild sollte man denn nach einer solchen Tat von Ihnen haben? Wissen Sie, für mich ist es überflüssig zu betonen, dass ich heute ein ganz normales Leben führe. Ich lasse die Fakten reden, die Zeit bringt die Wahrheit.

Haben Sie bei der Post eigentlich jetzt Hausverbot? Schön wärs, dann müsste ich nicht mehr einzahlen gehen. Nein, natürlich nicht. Gerade vor einer Stunde war ich für Filmaufnahmen bei der Fraumünsterpost. Die schlimmen Erinnerungen, die dort aufkamen, haben mich allerdings derart aus der Fassung gebracht, dass wir die Aufnahmen stoppen mussten.

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