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Ratlosigkeit über Massenbesäufnisse

Die Schweizer Behörden sehen sich machtlos gegenüber dem Phänomen öffentlicher Massentrinkgelagen von Jugendlichen. Sie hoffen auf schlechtes Wetter.

«Ich hoffe auf einen kalten Herbst und baldigen Winter. Dann erledigt sich das Problem von alleine», sagte der Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), Thomas Zeltner, in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Und vielleicht verschwinde die Trendwelle wieder so rasch, wie sie gekommen sei.

Verbot nicht möglich

Das Phänomen dürfe aber nicht verharmlost werden. Es sei eine höchst problematische Erscheinung. Alkoholvergiftungen könnten lebensbedrohend sein, gab der BAG-Chef zu bedenken.

Gegen die Anlässe gibt es aber keine Handhabe. Das ist auch Zeltner klar. Ein Verbot der Massenbesäufnisse sei rechtlich nicht möglich. Das würde auch nichts bringen, meinte er. Die Jugendlichen müssten sich bewusst sein, dass zuviel Alkohol zu mehr Unfällen und Gewalt führen könne.

Veraltete Kampagnen

Der Weg zu diesem Bewusstsein führt auch über Kampagnen. Und dort möchte der Präsident der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen, Pierre Maudet, ansetzen.

Die heutigen Präventionskampagnen gegen Alkoholkonsum seien von neuen Trinkgewohnheiten überholt worden, meinte Maudet gegenüber der Westschweizer Zeitung «Matin Dimanche». Er werde deshalb von Gesundheitsminister Pascal Couchepin eine Anpassung der Kampagnen fordern.

Viel deutlicher werden

Das Problem liege weniger in der Häufigkeit des Alkoholkonsums, sondern in den grossen Mengen, die an einem einzigen Anlass getrunken werden. Daher wirke etwa die nationale Kampagne «gemeinsam gegen 1 Glas zuviel» nicht mehr gegen die heutigen Probleme.

Maudet möchte eine Prävention nach dem Vorbild Frankreichs oder Grossbritanniens. Die verheerenden Folgen müssten viel deutlicher gemacht werden, auch wenn es manche Leute schockieren dürfte.

Müll beseitigen

Maudet sieht sich als Mitglied der Genfer Stadtregierung selber mit dem Phänomen «botellón» konfrontiert. In der Rhonestadt gab es bereits Mitte Juli im Parc des Bastions ein Besäufnis von über 1000 Jugendlichen.

Die Genfer Behörden verhinderten mit Sperrung des Parks einen zweiten Anlass am gleichen Ort. Auf dem Internet ist bereits der dritte «botellón» für nächsten Freitag angesagt. Maudet und sein Kollege Manuel Tornare von der Stadtregierung bemühten sich im Gespräch mit den Initianten, wenigstens die Müllbeseitigung zu regeln.

Weitere Anlässe

Und schon folgen auch in anderen Städten die ersten «botellón». In Lausanne wollen sich Jugendlich am kommenden Samstag und in Zürich am 29. August öffentlich betrinken.

Nach dem Vorbild aus Spanien organisieren sie sich per Internet und treffen sich mit selbst mitgebrachten Alkohol im öffentlichen Raum. In Spanien kommen die Leute mit in grossen Flaschen gemischten Getränken. Daher der Name «botellón» (grosse Flasche).

SDA/gr

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