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Rhetorik, aufgewärmt

Der Schweizer Armeechef André Blattmann ruft dazu auf, einen Notvorrat anzulegen.

Der General als Bedrohungsrhetoriker: André Blattmann. Foto: Keystone
Der General als Bedrohungsrhetoriker: André Blattmann. Foto: Keystone

Wladimir Putins Auftreten gegen die Ukraine ist rabiat – er provoziert, er droht und schreckt auch vor dem Einsatz des Militärs nicht zurück. Wir erleben die Renaissance des Kalten Kriegs und, damit verbunden, die Rückkehr der Vor-Mauerfall-Rhetorik.

Eine Rhetorik, die auch der Schweizer Armeechef André Blattmann beherrscht. Der «Schweiz am Sonntag» sagte er: «Was auf der Krim geschah, zeigt: Wir müssen den Nachrichtendienst und die Mobilmachung verbessern.» Der General beklagte sich, dass sich die Schweizer zu wenig auf den Ernstfall vorbereiten würden. Er selber habe als Notvorrat 30 bis 40 Sechserpackungen Mineralwasser (ohne Kohlensäure!) im Keller sowie Holz fürs Cheminée.

Den weltpolitischen Konflikt bis in die helvetische Alltagsrealität hinein zu verlängern und daraus politische Forderungen abzuleiten: Das gehört zum Wesen der hiesigen kalten Krieger. Gewiss sind diese in ehrlicher Sorge um ihre Heimat. Ebenso gewiss verfolgen sie dabei aber auch eine politische Agenda. Das Blattmann-Rezept: Man rede zuerst vom Ukraine­konflikt, komme dann auf den heimischen Notvorrat zu sprechen und insinuiere so, dass alles irgendwie zusammenhänge, wir folglich in unsicheren Zeiten leben und ergo dringend den Gripen-Kampfjet brauchen würden.

Zivilverteidigung

Das Rezept des Armeechefs hat prominente Vorläufer. 1969, der Kalte Krieg war nach dem Ende des Prager Frühlings auf einem Höhepunkt, bekam jeder Schweizer Haushalt das rote, mit einem bundesrätlichen Vorwort versehene Zivilverteidigungsbüchlein.

Auf sechs Seiten wurde dort der Notvorrat abgehandelt (pro Person zwei Kilo Reis und Zucker sowie ein Liter Speiseöl). Danach kamen die Autoren auf die Unterwanderung zu reden und benannten mehr oder weniger explizit, wen man im Subversionsverdacht hatte: Intellektuelle, Friedensbewegte, Künstler – also Linke. (Fiktives) Beispiel einer subversiven Zelle war der «Schachclub Südquartier».

Bedrohungsrhetorik im Dienst einer politischen Mission: Vor 1989 wars der Antikommunismus, heute der Gripen.

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